Bassface Sascha

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Du bist Das Urgestein der deutschen Drum & Bass Szene. Erzähle uns doch mal deinen Werdegang?
Ich habe mit 4 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen, war also schon immer von Grooves und Drums fasziniert. Als ich mit 11 Jahren began mir meine ersten Plattenspieler und einen Mixer zuzulegen gab es die Musikrichtung D&B, Jungle oder auch Breakbeats noch gar nicht. Ich habe angefangen frühe Hip Hop Tracks mit alten Rare Groove Scheiben, Disco und R&B zu mixen. Später kam dann Electronic Body Music, Acid House und Techno dazu.

Mit 13 hatte ich mir dann meinen ersten Synthie gekauft und angefangen damit herum zu experimentieren.

Mit 15 Jahren hatte ich dann die Möglichkeit in Worms im KD (Klar und Deutlich Musikkeller) eine ganze Nacht zu bespielen und ich wurde dort Resident DJ. Um diese Zeit herum habe ich Arno Müller kennengelernt, der ein Studio hatte. Mit seiner Hilfe habe ich viel in Sachen Arrangement und Mixdown gelernt und wir hatten mehrere Veröffentlichungen auf Boy Records. Die ersten UK Hardcore Tracks in Plattenläden wie Record Express oder auch WOM (World of music) haben mich mit ihren damals neuen Sounds und neuen Beatstrukturen total geflashed. Ich habe auf den Labels gelesen, daß die meisten der Tracks auf die ich abfahre aus England kamen. Dort mußte ich dann auch unbedingt hin.

Als ich dann 1988 zum ersten mal im gerade eröffneten Black Market in London war, kam ich mit einem neuen Plattenkoffer voll Vinyl nach Deutschland zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte D-man (Dirk Mantei) und G.O.D (Gregor Dietz R.I.P.) schon Partys auf der Mannheimer Friesenheimer Insel in alten Fabrik Gebäuden organisiert und ich war Gast DJ dort. Dadurch habe ich dann auch Groover (Holger) Klein kennergelernt mit dem ich dann im Milk! in Mannheim angefangen habe den Samstag zu beschallen. Wir spielten alle syles von Hip Hop, Indie, New Beat über House, Acid House, Techno und die ersten Breakbeat Tracks. Eines der ersten UK Booking die wir im Milk! hatten war The Puppetmaster (Nils Hess), der uns alle mit seinem UK Sound weggehauen hat. Über ihn haben wir dann Bryan G. zum ersten mal nach Deutschland ins Milk! geholt und so kam ein stetiger Kontakt zu englischen und internationalen DJ’s zustande. Wir hatten dann als Milk! DJ Team den Freitag im XS Club in Frankfurt übernommen und spielten dort Breakbeats und erste Jungle Tracks. Dann spielten wir als Milk! DJ Team auf diversen großen Veranstaltungen wie Mayday und ich hatte meinen ersten Love Parade Gig. Mit Alexander Azary und einigen anderen habe ich dann den ersten 3 tägigen Rave in der Flughafen Disco Dorian Grey mit ins Leben gerufen. Es legten Leute wie Sven Väth, Carl Cox oder auch Micky Finn, DJ Hype und LTJ Buken auf. Also alle Styles gemischt. Später kamen dann Veranstaltungen wie Jungle Fever, Mediation,Future und andere Events auf denen ich gebucht wurde.

Wie wäre dein Werdegang gewesen, wenn du nicht ins Musik Buisness eingestiegen wärst?
Ich komme aus einer musikalischen Familie, mein Vater ist Jazzmusiker mein Großvater spielt auch diverse Instrumente und meine Großmutter hat in Mannheim am Konservatorium für Musik Klavier gelehrt. Da ich schon sehr früh mit Musik in Berührung gekommen bin, wusste ich auch genau, daß ich Musik und Produktion zu meinem Beruf machen will. Die Bedenken kamen eher von Seiten meiner Familie. Ich habe dann nach meinem Abitur erst Psychologie studiert, habe dann aber schnell gemerkt, daß Musik einen sehr großen Stellenwert in meinem Leben einnimmt und habe dann mein Studium zum Verdruss meiner Familie abgebrochen. Sonst wäre ich jetzt vielleicht Psychologe.

Wie sieht ein Tag im Leben eines Bassface Sascha aus?
Der erste Blick geht am Morgen eigentlich immer in meine Inbox, wo ich neue Tracks , Promos und Dubs von Labels und Produzenten geschickt bekomme. Die überfliege ich dann kurz und behalte die Tracks, die ich spielen möchte. Da ich ja auch Produktionen für TV, Kino und Radio unter meinem bürgerlichen Namen produziere teile ich mir meine Produktions Zeit täglich so ein, daß ich auch genügend Platz für meine Bassface Sascha Produktionen habe. Ich versuche so früh es geht in meinem Studio zu sein. Oder in dem Studio in dem ich mich mit Mitproduzenten treffe oder wo ich als Sound Designer gebucht bin. Dann höre ich mir erst die Produktionen vom Vortag an und verbessere Mixdown und Arrangement. Danach geht es an Aufnahmen mit Sängern/Sängerinen oder auch Sprechern. Am Mittag fange ich dann meistens mit der Komposition eines neuen Stücks an.

Es kann vorkommen, daß ich bis zu drei Tracks an einem Tag anfange. Manchmal ist es nur ein Entwurf auf dem Laptop, der dann im Studio ausgearbeitet wird. Ich habe aber auch schon ganze Tracks auf dem Weg zu einem Gig im Zug produziert und dann direkt Abends angetestet. Aber der Weg führt immer wieder ins Studio, um dort dem Track den endgültigen Feinschliff zu geben. Mittwochs treffe ich mich meistens mit DJ Phlex in seinem Studio und wir arbeiten an neuen Tunes. Einer unserer Tracks, “Whirlpool“ ist gerade auf Lion Dub gesigned worden und erscheint zur Jahreswende. Wenn ich mit Feindsoul zusammen arbeite kommt er zu mir ins Studio. Mit anderen Produzenten wie Connecta, arbeite ich teilweise online an den Tracks. Ein Produktionstag kann im Extremfall bis zu 19 Stunden dauern. Im Durchschnitt bin ich aber denke ich 12 Stunden im Studio. Ich vergesse dabei meistens total die Zeit und was zu Essen. Zwischendurch kümmere ich mich um meine Bookings und gleiche alles mit meiner Booking Agentur ab. Gegen Abend arbeite ich dann an meinen Playlists für kommende Gigs und Radio Shows.

Du hast eigentlich schon alles erreicht. Gibt es noch irgendwelche Ziele die du verfolgst?
Ich glaube man hat nie alles erreicht. Und wenn ich jemals so denken sollte, dann müsste ich mich fragen, ob es nicht an der Zeit wäre damit aufzuhören. Meine Motivation neue Tracks zu schreiben und zu produzieren, oder auch an neuen Sounds zu tüfteln ist ziemlich groß. Ziele sind dann sowas wie das nächste Signing auf einem größeren Label oder einen neuen Ohrwurm zu produzieren. Oder den besten Sound, die dreckigste Bassline aus einer neuen Software herauszuholen. Ich bin natürlich in erster Linie auch DJ und liebe es neue Tracks zu sammeln und die Leute mit einem frischen Set zu überraschen. Außerhalb der Bassface Sascha Produktionen bewege ich mich zur Zeit mehr in Richtung Film und Kino Vertonung und versuche mein Wissen in Sachen D&B dort einfließen zu lassen.

Beschreibe uns wie du beim schreiben eines Tracks vorgehst. Wo startest du und wann weist du wann ein Tune fertig ist?
Ich fange nicht bei jedem Track zwangsläufig mit den Beats an, so wie das die meisten Produzenten machen.Für mich ist die Melodie und der Kern eines Tracks wichtig. Manchmal habe ich eine Bassline im Kopf, singe sie kurz in mein Phone ein und spiele es dann im Studio ein, oder suche den passenden Sound dazu. Oder ich schraube so lange an einem Gerät, bis ich die Idee in meinem Kopf reproduziert habe. Ich denke beim schreiben des Tracks schon an einen möglichen Sprach, Gesangspart oder auch Live Instrumenten Parts und lasse dann gegebenenfalls Platz im Arrangement dafür. Ich hole mir auch viele Inspirationen durch Sounds, die ich in meinem Alltag höre. Hab vor kurzem die Kettensäge meines Nachbar aufgenommen und mit dem Sound rumgespielt. Der unproduzierte Track ist meist schon lange vorher komplett in meinem Kopf. Die Kunst besteht dann darin das ganze in hörbare Form zu bringen und clubtauglich zu machen. Andere Tunes entstehen durch rumprobieren und austesten. Ich habe meine Lieblings plug-ins mit denen ich immer wieder arbeite, mag es aber auch neue Software auszutesten. Für mich ist es oft schwierig zu sagen wann ein Track wirklich fertig ist.
Manche Tracks sind bei Version 1.0 schon fertig. Von anderen habe ich 20 Versionen produziert, bis er dann mal gesigned ist und raus kommt. Es ist ein stetiger Prozess.

Du arbeitest viel mit Feindsoul zusammen. Besteht eure Freundschaft rein auf musikalischer Basis?
Wir hatten schon als DJ Kollegen einen guten Draht zueinander und fingen dann vor einiger Zeit damit an uns zum produzieren in meinem Studio zu treffen, da Feindsoul von Berlin, zu mir um die Ecke gezogen ist. Durch den stetigen Kontakt haben wir dann auch eine Freundschaft aufgebaut. Feindsoul kümmert sich neben unserer Produktion meist darum, daß die Tracks zu den Labels gelangen und kommuniziert mit den A&Rs. So haben wir in kurzer Zeit Veröffentlichungen auf Audio Addict, Natty Dub und Ruffneck Ting erreicht. Meine Mixes für die Radio Shows und den Reload Podcast bei Evosonic mache ich meist bei ihm, da ich keine Decks und nur einen Plattenspieler zu Hause habe. Man trifft sich natürlich auch mal auf ein Bierchen.

Nenne uns bitte 5 Deiner liebsten Tunes die du selbst produziert hast.
In keiner spezifischen Reihenfolge:
Perfect Day, International Sound, Sector One, Back to Basics, Whatever this day might bring

Du veröffentlichst auf einer vielzahl von Labels. Auf welchen genau?
In der Vergangenheit gab es von mir Veröffentlichungen auf:
Stereotype, Directors Cut, Biological Beats, Hoover Bass, Higher Stakes, Lion Dub, Natty Dub, Switch, Audio Danger, Kickin’ Underground, Dance Rock, Santorin, Betalistics, Basswerk, Sidechain, Mole, Smokin’ Drum und einigen Major Labels.

Demnächst wird es Releases von mir auf:
Ruffneck Ting, Subway Soundz, Phantom Audio und Lion Dub geben.

Aber was ist mit Smokin‘ Drum passiert? Gibt es dieses Label noch? Wenn nicht, könntest du dir vorstellen ein neues Label an den Start zu bringen?
Smokin’ Drum gab es von 1994 bis 1999. Danach habe ich mich darauf konzentriert Tracks an Labels in England zu verdealen. Ein Label zu machen und die Logistik dahinter zu verwalten ist ein fulltime Job, wenn man es richtig machen will. Ich habe nicht die Zeit dafür. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen sowas alleine hochzuziehen. Dazu bräuchte ich ein Team, das mir zur Hand geht.

Viele gehen heutzutage den digitalen Weg. Wie ist deine Meinung zu dieser Entwicklung?
In Hinsicht auf Releases ist es für mich natürlich praktisch, daß man einen Track digital versenden und empfangen kann, ohne daß es über den physikalischen Weg geht. Ich begrüße aber auch den Trend zurück zum Vinyl und freue mich immer wieder, wenn ein Release auch auf Platte rauskommt. Als DJ spiele ich schon seit vielen Jahren digital mit Software und steuere die Tracks ganz Old School über Plattenspieler, oder auch CDJs an. Die Möglichkeiten mit Software sind so groß und ich möchte keine einzige davon missen.

Was würdest du jungen Produzenten und Dj’s mit auf den Weg geben?
Versucht euren eigenen Sound zu finden. Sowohl beim auflegen, als auch beim produzieren. Seid nicht gleich mit dem ersten Produktions Ergebnis zufrieden, sondern arbeitet daran alles auszufeilen und ans Limit zu bringen. Schaut euch Synthie und plug-in Tutorials an. Oder meldet euch bei einen der vielen Produktions Workshops oder Master Classes an, die es in fast jeder größeren Stadt gibt. Schließt euch zusammen und arbeitet zusammen.

Du legst schon sehr lange auf, hast zahllose Gigs auf dem gesamten Globus gespielt. Blieb einer davon in besonderer Erinnerung?
Einer meiner ersten Gigs in Ungarn hat mich nach Budapest geführt wo ich einem Outdoor Club gespielt habe. Ich fand es unglaublich, daß Leute die noch nie zuvor mit dieser Art von Musik in Berührung gekommen sind an dem Abend so hart abgefeiert haben. Und eine Nacht in Toronto bleibt mir im Gedächtnis, wo hinter mir durch die Glas Front die Sonne aufging und ich noch den ganzen Vormittag gespielt habe, weil die Leute nicht gehen wollten.

– Was war das kurioseste was du bisher auf einem Gig erlebt hast?
Als ich zum ersten mal mit 18 in England aufgelegt habe wurde ich mit einer geklauten Karre abgeholt, was ich dann erst auf dem Rückweg zum Flugplatz gecheckt hatte, als uns die Britische Polizei anhielt und den Wagen samt Insassen zur Wache mit nahmen. Am nächsten Tag, als ich meine Unschuld beweisen konnten, war ich wieder auf freiem Fuß. Ich habe dann erst wieder einige Tage später einen Flug bekommen und hatte genug Zeit mich im Music House mit DJs und Produzenten zu treffen. Dort gabs dann zur Entschädigung viele neu Dubs, für die Reise zurück.

Du bist jetzt schon so lange in der Drum & Bass Szene aktiv.Welche Entwicklungen erwartest du für die Zukunft?
Es ist schön zu sehen wie innerhalb der D&B Genres, Hörer offener für andere Richtungen von D&B sensibilisiert werden. Also sich nicht nur auf Jump Up, Neuro, Liquid, Roller oder was auch immer beschränken, sondern das als Ganzes sehen. Deutschland hat immer mehr relevante Produzenten wie Danne B., Phace, Misanthrop, Neosignal, Dub Bezerker, DJ Phlex, Connecta, Kabuki, um jetzt mal nur einige zu nennen, die internationalen Erfolg mit ihrer Musik haben und diese Entwicklung wird meiner Meinung nach immer stärker.

Das Baesse.de Team bedankt sich für dieses Interview bei Dir, Sascha. Wir wünschen Dir weiterhin auf deinem musikalischen Weg viel Erfolg und nur das beste für die Zukunft!

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