Release reviews (Juli 2017)

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Auch im Juli hat sich unser externer Redakteur Kaiza wieder zur Aufgabe gemacht, einige Perlen aus dem Drum & Bass Universum heraus zu picken, um diese kritisch zu durchleuchten. Von harten Neuro bis zu Liquiden klängen ist diesen Monat alles dabei. Das gesamte Baesse.de-Team wünscht viel Spaß beim lesen…

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Optiv & BTK: Gateway (Tobax Remix) (RLDIG030)
Tobax macht erstklassigen Neuro und landet damit nun auch auf Red Light, der Talentschmiede von Cause 4 Concerns Optiv. Was soll ich sagen? Der Mann enttäuscht nicht. Der schwächere Tune ist eh schon ein abgefahrenes Gerät: „Balanced“ mit Mizo (Ex-Gydra) kommt mit einer verstörenden 12 Monkeys-Attitüde rein und droppt mit zeitgemässen Reece-Edits. Was den Tune aber zusätzlich auszeichnet is der stabbige Lead on top und die Varios. Gut gemachte Dancefloor-Munition. „Tooth Pain“ jedoch ist nochmal ne Schippe mehr Action, mehr Bounce und mehr Wahnsinn. Das Intro baut auf wie ein dumpfer Zahnschmerz mit dem man zum Arzt muss. Und der will dann natürlich auch direkt bohren. Die Wobbles sind grandios und die Trademark-Drums sind wie immer erste Kajüte. Neurowank vom allerfeinsten. Unbedingt reinhören!

8 Komma 5 von 10


Camo & Krooked-„Mosaik LP“ (RAM)
Ich hab die reduzierten Dinger von Camo und Krooked eh schon immer gefeiert. Die grossen Maximal-Hits sind meist nicht bei mir hängengeblieben. Und jetzt ein ganzes Album voll mit dem heissen Scheiss. „If I could“ mit Joe Killington ist ganz gross und hat die Megahook, „Like I do“ mit James Hersey ist mindestens genauso wahnsinnig. Und auch die Tracks mit Klei, Nihils und Tasha Baxter bestehen. Klar die Instrumentals klingen bei den ganzen Vocal-Tracks jeweils ähnlich, auf den ersten Blick Foleyclap, eingängiges Primärinstrument und bisel was drumrum, aber letztlich funktioniert das wunderbar. Mich stört das nicht. Im Gegenteil, für mich ist das ein stringentes Album. „Come Together“ hätte es für mich nicht gebraucht und „Honesty“ ist auch eher gängiges Camo & Krooked-Dancefloor-Material in neuem Gewand, aber das passt schon. In Kombo mit den unterschiedlichen Tempi (z.B. „Heat Of The Moment“) ergibt sich ein durchaus abwechslungsreiches Gesamtbild, in einem abgesteckten Soundrahmen. Und dann gibts ja auch noch die Collab mit Mefjus („Mandala“). Die ist so das Tüpfelchen auf dem „i“. Derber Release.

8 von 10

https://www.beatport.com/release/mosaik/2048376


Razlom-„Thriller EP“ (BT059DD)
Die zweite EP von Razlom (siehe auch Baesse.de Mai Reviews release review mai 2017) ist gerade auf Bad Taste raus. Ich war megabegeistert vom Debüt, aber das hier lässt mich leider kalt. Ja der Vocal-Track mit MC Temper kommt schon gut rein mit einer starken Performance am Mic, die Hook is dope af, aber ich hätte mir dann doch nochmal einen dancefloor-orientierten Drop gewünscht. „Storm Is Coming“ ist zu eindimensional und die Drums knallen zu dominant durch. „Voyage“ ist gutes B-Seiten-Material mit einem starken Mixdown. Mehr aber auch nicht. Und der Titeltrack „Thriller“ grindet das Pacman-Thema. Durchaus gut gemacht, aber wenn der schlumpfige Lead einsetzt ist das Thema durch. Echt schade. Das ist nicht so meins. Production level is strong, aber inhaltlich eher Fehlanzeige.

5 von 10


Spline-„Rock EP“ (BT061DD)
Noch eine Veröffentlichung auf Bad Taste. Diesmal von einem gewissen Spline. Noch nie gehört. Das macht aber gar nix. Die Tracks sind interessanterweise ziemlich untypisch für das Label. Hier handelt es sich nämlich um harten Stoff a la Limewax. „One Kiss“ choppt die Drums was das Zeug hält und geht dabei ab wie Schmidts Katze. „Parallel“ macht eigentlich genau dasselbe, nur mit mehr Amen und einem äusserst geschickt eingesetzten Lead. Ein paar Vocalcuts gibts obendrauf. „Rock“ darked rein mit nem cinematografischen Intro und switched dann auf harten Therapy Sessions-Headnod-Modus. „Space Marines“ mit den Dextems ist eher was man auf Bad Taste erwarten würde. Rollender Neuro mit einem eingängigen Riff und soliden Edits. Hätte nicht gedacht, dass das Label um Vegas (of Bad Company UK Fame) so einen Release wagen würde. Find das nicht übel, könnte mir aber vorstellen, dass bei einigen Die Hard-Fans einige Fragezeichen wegen dieser EP aufploppen. Naja, seis drum :-D
7 von 10


Dorian+Skore-„Be Afraid/Powertool“ (MFR092)
Schon wieder Dorian! Schon wieder Mainframe! Hört das denn nie auf :-D Zwei Kollabos mit Skore, und beide treffen voll ins Schwarze. „Be Afraid“ ist grandioses Dancefloormaterial ohne Schnörkel, jenseits von Genregrenzen. Das ist guter DNB und alles sitzt da wo es sitzen soll. Die Leute in den Clubs werden allerdings nicht sitzen bleiben können. „Powertool“ kommt mit einem gut eingesetzten beatboxigen und bronxigen (lol) Intro rein. Der Drop ist der pure Filz. Garstig reingedarked, würd ich sagen. FF. Vom Feinsten.
8 von 10


Mean Teeth-„Gutterfunk (ft. Kerizma MC)/Hydra (ft. Skylark)“ (LFS063)
Mean Teeth aus Estland, mittlerweile ein Trio, bringen ihren neuesten Neuro-Streich. Diesmal auf Lifestyle Music UK und tatsächlich mit der nötigen Brise Funk. Der Titeltrack heisst entsprechend „Gutterfunk“ (mit Kerizma MC am Mic) und lehnt sich inhaltlich an das „Golden Age“ an: ein verträumtes Intro baut sich langsam aber kontinuierlich auf, die Vocals vervollständigen die Transition zum Drop. Es folgt intelligentes Reece-Editing auf äusserst flowigen Drums. Alles richtig gemacht. Die Flip „Hydra“ mit dem Franzosen Skylark geht eher in die Richtung Maximale Dunkelheit. Katakombenrave anyone? Das Ding ist jetzt nicht der originellste und eigenständigste Track ever, aber nichtsdestotrotz beweist er dass die Jungs a) soundtechnisch was drauf haben, b) die gute alte Zeit feiern und c) es nicht immer um den megariesen Rinse gehen muss. Ich find das gelungen. Nice one.

7 von 10



Coda-„Black Magic EP“ (CHRG051)
Coda, Exilbrite in der Alpenrepublik Österreich und einer Köpfe vom Switch-Imperium, kommt korreckt auf Charge. Das Label von Altmeister Mampi Swift setzt auf vier Tracks plus Radio Edit und Dub Mix. „Sky“ mit Inja am Mikrofon lebt von den Vocals. Das ganze Ding ist eher zurückhaltend und prinzipiell auf die Vocals ausgerichtet. Trotzdem sind mir sind sowohl Intro als auch die Bässe etwas zu uninspiriert. Inja macht n guten Job. Der is eh crunk. Aber es wäre trotzdem mehr drin gewesen. Nichstdestotrotz is das technisch einwandfrei. „Hindsight“ mit Everybodys Darling Serum reitet einen klassischen Break dessen Name mir gerade nicht einfällt und hat zusätzlich ein paar hornähnliche Stabs und Bongos am Stizzo. Grundsolide. Schon cool. „Tomahawk“ featured Vocal Shots von Soultrain, aber dieser Caterpillar a la Dillinja 1998 lässt nicht wirklich viel zu. Nicht unbedingt was ich hoffte zu hören. Soultrain kann was, Coda kann was, aber die Kombo hier geht irgendwie an mir vorbei. Der Titeltrack „Black Magic“ jedoch ist ein gewaltiger Zerstörer mit 376 Mann Besatzung der für einigen Unfrieden auf den DNB-Weltmeeren sorgen dürfte. Der kommt langsam, aber sicher und vor allem ohne Bremse. Da würde ich vielleicht schonmal die Rettungsboote bereithalten. Gottogott, ist des Teil fies :-D

8 von 10


Killbox-„Witchmaker“ (RAMM268D)
Das kürzeste Review aller Zeiten: die neue Killbox auf Ram schiebt alles zusammen. Aber mal im Ernst, das was Audio und Ed Rush da zusammen auf die Beine gestellt haben, ist gleichzeitig mega massiv und frisch funky. Ein klassisches Intro mit Athmopads und B-Movie-Quotes ohne große Buildups geht mit einem coolen Drumfill in ein fast schon schunkeligen aber maximal dreckigen Bassmove über. Getragen wird das ganze von einer geschickten Kombo aus Funkbreaks und Fills. Die kongenialen Stabs erledigen den Rest. Genial gemacht. Killer.
8 von 10


Maniatics-„Fight The Might EP“ (KOSEN29)
Wir kommen zu einer Veröffentlichung auf einem französischen Imprint namens Kosen Productions. Das im Umfeld von The Clamps gegründete Label bringt hier seinen 29. Release auf den Markt und bleibt sich selbst treu eigene Artists aufzubauen. In diesem Fall sprechen wir über die drei Jungs von Maniatics, die kommen aus Spanien, und sind gerade dabei sich einen guten Namen zu machen. „Teenagers“ ist ein schunkeliger Neurotrack der durchaus gut gemacht ist. Der reisst jetzt micht alles ab, aber an der richtigen Stelle im Set wird der durchaus wirkungsvoll kommen. Das namensgebende Hip Hop Vocal ist ne gute Idee, auch wenn es recht klassisch/repetitiv eingesetzt ist. Insgesamt ist hier wenig Überraschendes zu vermelden. Dennoch ein grundsolides Ding. „Pressure“ kommt mit nem Akte X-mässigen Intro rein und droppt dann dirty. Ähnlich wie „Teenagers“ ist das hier nicht die ganz grosse Vernichtung, aber einen ordentlichen Stomp kriegt man hier allemal geliefert. „Fight The Might“ baut mit einem Athmo-plus-Hihats-Intro auf und ergiesst sich dann mit nem „Stigma“-Synth in einen Stakkato-Dancefloor-Tornado inklusive Riesensnare auf die Zwölf. Heftig. Leider ist anzumerken, dass bei allen drei Tracks noch mehr Mixdownqualität drin gewesen wäre. Dennoch cooles Material.
6.5 von 10



Various Artists-„The Breaks EP“ (DNBA022)
Die renommierte Szeneplattform DNB Arena serviert eine EP namens „The Breaks“. Mit dabei sind AMC und Turno und „Ice Cold“, oldschoolige Piano- und Vocalsounds switchen mit eiskalten Neurowank der heftigeren Sorte, Bladerunners „International“, bristonian Funk anno 1996 im aktuellen Soundgewand, John B mit „Energy“ und einer UK-Hardcore-Warehouse-Remiszenz konsequenterer Gangart, außerdem Shimon und Darrison mit „Believe It“ und abgeklärtem bzw. erwachsenem Future Funk, und June Miller, James Marvel und MC Mota mit ihrem Vocal-Smasher slash Knochenbrecher-Neuro-Verschnitt namens „Don Dada“.
Stringente EP die sehr abwechslungsreich klassische Elemente des Jungle in Szene setzt und mit guter Qualität punktet. Persönlich Highlight für mich Bladerunner und Shimon. Und jeder der ein absurden Last One sucht, sollte mal „Don Dada“ probieren.
7 von 10


Reviews by Kaiza

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