Reviews [März 2020]

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Kumo -„90´s Dreamer EP” (BORN028)

Kumo ist ein Name der erst kürzlich durch seine echt dicke EP auf Gyro Records auf meinem Radar aufploppte. Neben Releases auf Liondub International, Sub-liminal Recordings oder Jungle Cakes kam jüngst die „90“s Dreamer EP“ auf Born On Road heraus. Fünf Tunes stark kann sich die auch sehen lassen! Der Titeltrack steppt verbreakt oldschoolig rein und schiebt in klassischer 90er-Manier einfach alles weg. Bloß nicht die Vocals vergessen! „Top Boy“ macht da weiter wo sein Vorgänger aufgehört hat und geht dann kurzerhand auf Abwege ins Land der seichten Nebelhörner. Pull up! „How I Like It“ ist in dieser Konstellation der aggressive Cuseng von der Ecke, trügerisch mit lieblichen Vox garniert. Dazu heftige Drums, this is how I like it! Apropos „Like it“, I like “Elephant Dance” even more! Mein absoluter Favorit der Platte. Aus Gründen. Der Offensichtlichkeit in Sachen Bassgestaltung und Power! „Education“ sorgt dann nochmal für lockere Gefühle im unteren Bereich deines Körpers aufgrund einer Diagnose von schwerem Hi Hat-Flex und le Wobble. (Umut)

Release: 06.03.20
Label: Born On Road
Katalognummer: BORN028
(8/10)

 

 

Sustance -„Temperance EP” (OVR015)

Als eines DER heißesten Newcomerlabel aus 2019 weiß Overview doch immer noch eine Schippe draufzulegen. Nach Ill Truth, Nausika und Skylark legt nun Sustance eine heftige EP nach. Die „Temperance EP“ wird mit ,Bristol Gang“ ziemlich druckvoll eröffnet denn hier pumpt der Bass tiefenentspannt während die Drums lässig mitplätschern. Die Lässigness behalten sich die Drums auch in „Temperance“ dicht gefolgt vom eindringlichen Tänzeln von Synths und Konsorten. Bei den Percussions geht einiges an Weirdness. „Squirt“ ist dasselbe in Grün, solides Tool. Nach dem gemütlichen Warmtanzen folgt dann „One Way“ mit groben Hits in den unteren Bereichen. Gesichtsmassage inklusive! Mit „Shame“ rasiert uns der junge Londoner dann vollends den Kopf. Geschuldet seis der industriellen Ästhetik und selbstverständlich der Säge! (Umut)

Release: 20.03.20
Label: Overview Music
Katalognummer: OVR015
(9/10)

 

 

VA -„The Year Of The Rat LP” (UNCH015)

Nach chinesischem Kalender befinden wir uns seit dem 25.01.20 im Jahr der Metallratte. Zu diesem Anlass startet das in China angesiedelte Label Unchained Recordings mit einer verdammt fetten Compilation in 2020! Hier findet der geneigte Hörer überraschenden Hip Hop-flavoured Halftime von HLZ, knackige minimalistische Dinger von HØST oder Quentin Hiatus, derbst verbreakte Sachen a la Dave Owen & Root For The Villain, 3ASIC oder HomeSick und klassischen Drum & Bass von Rohaan straight in your face. Doch auch das restliche Line Up kann sich sehen lassen.Subp Yao und Sentic Cycle liefern brachiale Basslines, Fractales Edit von „Ruins“, ebenfalls von Fractale in Zusammenarbeit mit V O E, ist eher was für fünf Uhr morgens und Radiax drückt nochmal ordentlich auf die Hip Hop-Tube. (Umut)

Release: 13.03.20
Label: Unchained Recordings
Katalognummer: UNCH015
(10/10)

 

Neonlight -„Re-Masters Pt 2” (DSCOPE004)

Diascope ist das im letzten Jahr gegründete Label vom renommierten Drum & Bass-Duo Neonlight. Neben zwei Singles kam unter anderem auch der erste Schwung Remasters aus den Untiefen der Harddrives des Neurofunk-Traumpaars. Nun folgt der zweite Streich vollgepackt mit einigen der musikalischsten aber auch kitschigsten Tunes aus dem Jahr 2012. Die Rede ist von der ziemlich abgefahrenen „Bytes Bites Bit EP“, damals 2012 auf Lifted Music erschienen. Mein Favorit ist und bleibt seit jeher Sprechfunk. Erneut aus Gründen. Der Offensichtlichkeit in Sachen Bassgestaltung und Power! Die 2020er-Versionen klingen auch um einiges knackiger als die Originale! (Umut)

Release: 19.03.20
Label: Diascope
Katalognummer: DSCOPE004
(8/10)

 

 

Proxima -„Rumination EP” (VSN057)

Proxima ist synonym mit abgefahrenem Sounddesign und einer Vorliebe für ultimative Weirdness!
Seine neue „Rumination EP“ auf Vision ist sein eigener Approach an die minimalistische Ästhetik die da seit letztem Jahr im deeperen Drum & Bass vorherrscht. Ich finds geil und lass den Herr Proxima n guten Mann sein. „Similitude“ find ich übrigens auch geil, da gibts diese schönen Didgeridoo-Rides und sachlich abflexende Drums. „Vultureous“ geht den etwas geradlinigeren Weg und fegt jegliche Zweifel der Rast, von Percs beflügelt, beiseite. Schiebt, presst, wackelt und hat Luft. „Mate Machine“ hält die Intensität seiner Vorgänger ziemlich gut und feuert aus allen Rohren. Knallharte Kicks, pfiffigere Hats, bösererer Bassschluckauf. Me likey! Was wäre ne deepe Platte ohne den klassischen industriellen Proxima-Sound?! Nicht komplett! Deshalb gibt es als Schlusslicht noch den entspannt dahersteppenden „No Control“. U-Boot-Atmo deluxe! (Umut)

Release: 21.02.20
Label: Vision Recordings
Katalognummer: VSN057
(10/10)

 

 

T>I – “Blank Canvas LP” (CRITLP15)

Total Integration, besser bekannt als T>I, hat seit seinem ersten Release auf Innerground eine große Menge bemerkenswerter Tunes rausgehauen und so war es kein Wunder dass diese hohe Produktivität nun ein Album zur Folge haben sollte. Dass “Blank Canvas” auf Kasras Critical Music erscheint passt angesichts des reduziert technischen aber für den Dancefloor produzierten Sound von T>I zudem sehr gut. Daher können wir trotz seiner noch recht jungen Drum&Bass-Karriere durchaus hohe Erwartungen an dieses Album haben.
Das Album startet mit der vorangegangenen Single “Flick The Switch”. Es folgen einige recht minimalistisch gehaltene Tunes, die T>I selbst eher als “DJ tools” bezeichnet und sich damit passend einschätzt. “Makin Moves” mit Turno geht mit seinem Vocal-Cut ziemlich vorwärts und mit “Too Far Gone”, “Footdrop” und “Pretty Little Thing” wird die Bassline dann auch zunehmend dreckiger. “Curtains” ergänzt die LP abschließend noch mit einem locker rollenden Beitrag. Außerdem gibt es noch hörenswerte Bonus Tracks und exklusive Tunes für die USB-Stick-Variante.
Trotz des Alben-Formats bleibt T>I mit “Blank Canvas” sehr sparsam in seinem Sound, was er ja im Albumtitel von vornherein zum Ausdruck bringt. Durch den präzisen Einsatz von Samples und den Fokus auf Bass, Beats und Breaks erreicht er sein Ziel ein Album für DJs geschaffen zu haben und kann sich sicher sein, dass diese Tunes vielerorts gespielt werden. (Pasch)

Release: 06.03.2020
Label: Critical Music
Katalognummer: CRITLP15
(8/10)

 

 

Xtrah – “I Feel You” (CFXLPS002)

Mit “I Feel You” erscheint die zweite Single zu Xtrah“s angekündigtem Album auf seinem eigenen Imprint Cyberfunk. Der Londoner, der schon auf einigen großen Labels vertreten ist, liefert mit diesem Titel ein ziemlich melancholisches Stück Musik ohne dabei einer typischen Sub-Genre-Formel zu folgen. Die tragende Melodie entwickelt durch starke Filter eine schöne Dynamik, zieht sich durch den gesamten Tune und wird lediglich durch ein paar kleine Drumrolls, vereinzelte Snares, einen Bass und später im Break durch ein ravey Vocal-Sample zu einem Drum&Bass-Tune.
Das klingt auf jeden Fall schon äußerst interessant und wir dürfen gespannt sein wo Xtrah mit seinem Album so hin will. Da die andere Single “Disposessed” viel düsterer klingt aber auch nicht wirklich auf Party-Funktionalität abzielt, könnte es ein innovatives Projekt werden. Es lohnt sich durchaus jetzt schon mal reinzuhören. (Pasch)

Release: 13.03.2020
Label: Cyberfunk
Katalognummer: CFXLPS002
(7/10)

 

 

In:Most – “Do You” / “Embers” ft. Walk:r & Carasel (SV065S2)

Die nächste Album-Auskopplung von dem Duo In:most aus Cambridge erscheint zum Frühlingsanfang auf Soulvent Records und folgt auf das schön kitschige “Do You”. Die erste Single zeichnete sich durch einen gekonnten Wechsel zwischen entfremdeten Vocal-Cuts und einem spannenden Synth aus. “Ember” ist mit Walk:r und dem MC Carasel aus Bristol entstanden und tatsächlich aber alles andere als frühlingshaft. Ein ernsthafter, nicht aufdringlicher und eher mystischer Sound wird hier nach altbekannten Formeln mit coolen Vocals gemischt. Diese Vocals sind auch das zentrale Element des gesamten Tunes: on point, fast ununterbrochen und klangtechnisch schön in den Mittelpunkt gerückt. Das Ergebnis ist kraftvoll und lässig zugleich. Die Bühnenerfahrung des MCs zahlt sich hier aus und die Produzenten zeigen dass sie wissen was zu tun ist. Gute Voraussetzungen für weitere solcher Tunes im bald folgenden Album. (Pasch)

Release: 28.02.2020 / 20.03.2020
Label: Soulvent Records
Katalognummer: SV065S2
(8/10)

 
 
 
 

Sorse – “Dusk EP” (LCKDPY005)

Lockjaw hat für das nächste Release auf seinem Label Locked Concept zwei Jungs aus Dresden an Bord geholt. Die 4 Tracks starke “Dusk EP” wird zwar als “weniger am Dancefloor orientierter Drum&Bass” beschrieben und ist auch ausgesprochen rhythmisch, doch ein Kern-Element dieses Genres tritt, etwa beim Opener “Void,” stark in den Hintergrund: die Drums. Die Beats scheinen die schönen Flächen und wabernden Sounds eher zu tragen als sie zu durchbrechen. Die vielen Details wie Zischlaute und Shaker muten filigran an, während Bass und die reverb-lastigen Melodien und Klänge warm und füllig klingen. “Hybrid” verbindet Dub-Elemente mit futuristischer Atmosphäre und der Titeltrack der EP geht von einem spannungsgeladenen Beginn in eine mystische Grundstimmung über. Mit den vier Tunes zeigen Sorse ein dass sie packende Musik in Anlehnung an Drum&Bass-Strukturen beherrschen. Für aufmerksame aber auch entspannte Zuhörer ist die “Dusk EP” eine wirklich runde Sache. Gute Arbeit! (Pasch)

Release: 20.03.2020
Label: Locked Concept
Katalognummer: LCKDPY005
(8/10)

 

 

Incorporate – “Fear EP” (CFNKD007)

Hinter dem Namen Incorporate verbirgt sich eine, in mehrfacher Hinsicht wachsende Gruppe Produzenten, die sich mit diesem Projekt der Dynamik einer produktions-technischen Integration verschiedener Produktionsweisen widmet, wie es der Name ja bereits andeutet. Wie produktiv das ablaufen kann, zeichnet sich einerseits darin ab, dass die “Fear EP” bereits die dritte Veröffentlichung im noch jungen Jahr 2020 für Incorporate ist. Andererseits macht sich der erhoffte Synergie-Effekt einer Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Herangehensweisen bereits in genau diesen Produktionen bemerkbar. Die vier Tunes klingen keinesfalls überladen, obwohl sie eine Vielzahl an Elementen vereinen: satte Drums, wummernde Basslines, Drumrolls und Percussion, dezente Flächensounds und maßvoll eingesetzte Effekte. Das ganze klingt techy, funky, dynamisch und stabil zugleich. Nur für Vocals oder cheesy Melodien scheint sich bei Incorporate noch niemand berufen zu fühlen, was nichts daran ändert dass hier vier sehr ausgereifte und ausgewogene Produktionen eine super EP ergeben. Vielleicht ist man sich ja auch einfach bereits darüber einig, dass es letztlich bei all der Vielfalt eine gemeinsame Handschrift braucht, was bei der “Fear EP” definitiv schon der Fall ist. (Pasch)

Release: 09.03.2020
Label: Cyberfunk
Katalognummer: CFNKD007
(9/10)

 

 
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