Mad Vibes

0

Hallo Tony. Du bist seit über 2 Dekaden in der Drum & Bass Szene am Start. Erzähl uns doch mal ein wenig über Dich und Deine Person.

Wie du ja schon sagst, bin ich schon ne Weile dabei … um genau zu sein hab ich 1994 auf Force Inc meinen ersten Release gehabt. Und genauso lange bin ich auch schon als DJ aktiv. 2005 hab ich mich dann als Mastering und Toningenieur mit meinem Studio M3Mastering selbstständig gemacht und 2006 habe ich dann alles noch mit meinem eigenem Label Sidechain-Music komplettiert.

Vor kurzem ist Deine neue EP „Firetime“ auf deinem Label „Sidechain-Music“ erschienen. Das ganze ist ja eher im Oldschool Gewand gehalten. Welche Intention steckt dahinter?

Die Intention auf meinem Label ist: die Musik zu machen, die mir am besten gefällt – hahaha – aber im Ernst, genau darum geht es …

Werden auf „Sidechain-Music“ nur Tracks von Dir veröffentlicht, oder kommen auch noch andere Künstler zum Zuge?

In der Vergangenheit haben viele verschiedene Künstler auf Sidechain veröffentlicht. Digital, Camo, Madcap, Bassface&Franksen und noch viele mehr. Aber momentan habe ich mich entschieden auf Sidechain nur meine Tracks zu veröffentlichen – und zwar genau die, die mir selbst am Herzen liegen … hier geht es mir auch um den Entstehungsprozess, an dem ich selbst nach all den Jahren noch unendlich Spaß habe … und da ist es mir wichtig ohne Druck zu arbeiten … etwas egoistischer gesehenen, könnte man auch sagen, ich mache das für mich.

Beschreibe uns doch mal deinen Sound. Und wie unterscheidet sich dieser?

Wie du ja schon selbst bemerkt hast, ist es der „Oldschool“ Sound der immer noch in mir steckt. Funk Breaks, 808 Basslines, Dub/Reggae Sounds und 90er Rave Elemente sind die absolute Foundation zu meinem Sound. Aber halt alles in einem vor allem soundmäßig sehr zeitgemäßen Gewand (hier kommt mir meine 20 jährige Erfahrung als Ton-Ingenieur sehr entgegen). Das ist ein bei mir eh sehr wichtiger Punkt: Soundqualität. Hier lege ich wahrscheinlich deutlich mehr Wert auf Soundästethik und Qualität als manch anderer.

Du legst schon sehr lange öffentlich auf und hast zahllose Gigs gespielt. Blieb einer davon in besonderer Erinnerung?

Ja – ich habe vor ein paar Jahren das Closing Set auf dem Outdoor Floor der Sun and Bass … die Vibes dort sind nicht zu toppen, aber die Emotionen die am letzten Abend immer nochmal auflodern sind einfach einzigartig … und das ganze noch in der Kulisse draußen mit all den Leuten abzuschließen wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben.

Welche Meinung vertrittst Du zum Thema „Loudness War“?

Nun ja – ich mache jetzt seit fast 20 Jahren selbst Mastering und habe auch viel von der technischen Entwicklung mitbekommen. Aber der Trend, wo es dann mit Hilfe der digitalen Technik in den 2010er hinging, hat das Mastering ins Absurdum geführt. Fast alles was ein gutes Mastering ausgemacht hat, wie satte Bässe, Dynamik, Tiefe, Wärme und und und … wurde getauscht gegen Lautheit und bissige Frequenzen. Tiefe Bässe werden gegen harte Mitten getaucht und am Ende noch mit dem Limiter totgefahren. Gerade bei vielen aktuellen Jump Up- und Neuro-Tracks geht mir das zu weit.

Wie sieht ein typischer Tag im deinem „Mad Vibes“-Leben aus?

Mit „Mad Vibes“ kann ich leider meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Daher teilt sich meine Arbeitswoche in Mastering, Studioarbeit und Consulting im IT Bereich.

Du bist jetzt schon so lange in der Drum & Bass Szene aktiv. Welche Entwicklungen erwartest du für die Zukunft?

Ach da bin ich ganz ehrlich … solange die Beats rollen und die Bässe drücken bin ich zuhause, für mich muss man das Rad nicht ständig neu erfinden.

Nenne uns Deine 5 wichtigsten Tracks, die für Dich richtungsweisend waren.

No order:

DJ Krust – Warhead

C.O.D. – In the Bottle

Nas – Illmatic

N.W.A – Straight outta Compton

Digital & Spirit – Phantom Force

Welche Tracks verschwinden nie aus Deiner Playlist?

Ehrlich gesagt, sowas habe ich gar nicht … aber es gibt schon einige zeitlose Tracks, wie oben genannte Phantom Force, die ich auch nach vielen Jahren immer mal wieder finde und dann auch spiele. In meinen Sets ist immer Platz für „Timeless Classics“.

Du bist Produzent und machst auch Mastering. Hast Du dir das ganze selbst beigebracht oder hast du eine Ausbildung genossen?

Ich hatte das große Glück schon Anfang der 90er in einem Tonstudio jobben zu dürfen. Und da habe ich auch ganz klassisch erstmal gelernt, um mir dann alles weitere selbst beizubringen. Hier ist bei der Tontechnik die Erfahrung dein größter Schatz.

Zwischen Produktionen und Mastering: wieviel Freizeit bleibt da noch für Dich selbst?

Nicht sehr viel … aber ich bin ein Workaholic und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Was will man mehr.

Was können wir noch von Dir in naher Zukunft erwarten?

Nachdem ich mich in vergangenen Jahren mit meinem persönlichem Output zurückgehalten habe, kommt jetzt aktuell wieder einiges raus. Auf meinem eigenen Label „Sidechain-Music“, aber auch auf anderen Labels kam und kommt dieses Jahr noch einiges … Ghetto Dub, SRBE, Function, Formation und Original Key.

Wo befindet sich, Deiner Meinung nach, Drum & Bass in den kommenden Jahren?

Am selben Platz wie heute. Unzerstörbar. Ob Underground oder Overground.

Wie ist Dein Studio Equipment aufgebaut?

Also die Produktion findet schon komplett im Rechner statt, aber zum Mischen und Mastern spiele ich die Stems auf einen analogen Neve Mixer und kombiniere die mittlerweilen großartigen digitalen Werkzeuge mit der schönen analogen Summierung des Mixers. Da ich ja auch Mastering mache ist mein Studio komplett auf neutrale Akustik getrimmt und auch mit passenden Abhören von PMC versehen – an dem Punkt machen die meisten jungen Produzenten von heute leider die größten Fehler und achten nicht genug auf ihre akustische Hörumgebung. Aber man kann nur mischen was man hört ;-)

Wenn Du einen Track remixen würdest. Welcher wäre an erster Stelle?

Da gibt es ehrlich gesagt keinen so wirklich … ich mache zwar auch ab und an einen Remix, wenn ich gefragt werde und mit dem Original was anfangen kann, aber selbst suche ich mir das nicht aus … denke auch eher, dass das Label oder der Künstler einen Remixer auswählen, weil sie nach einem gewissen Stil suchen und nicht umgekehrt.

Wie hat Dich der Sound bis zum heutigen Tag beeinflusst?

Die Frage versteh ich leider nicht so ganz … Sound ist ja mein Tagesinhalt als Toningenieur und wenn du DNB/Jungle meinst, kann ich nur sagen, das ist der Sound der mich seit über 25 Jahren begleitet … das ist mehr wie mein halbes leben – von daher kann man wahrscheinlich sagen es beeinflusst bei mir alles von morgens bis abends …

Wie siehst du das Online-Geschehen rund um Facebook, Instagram, etc.?

Hier zitiere ich jetzt einfach mal Fabio – der dies letztens gepostet hat und mir aus der Seele spricht: „I really miss the days as a DJ when you didnt have to be a media king, you didnt care about your billing on a flyer, you didnt have a rider, no one knew what you had for dinner and no one cared about how many followers you had. All that mattered was making people dance.“

Was würdest Du der heutigen Generation mit auf den Weg geben?

Bleibt motiviert und höflich. Und von meiner ganz persönlichen Seite, gebt euch mühe beim Mixdown – zerstört keine tolle Idee mit einem kaputten Mixdown.


Das Baesse.de Team bedankt sich für dieses Interview bei Dir, Tony. 


Links Mad Vibes:
https://www.mixcloud.com/madvibes/

https://www.facebook.com/tony.madvibes

https://www.facebook.com/sidechain/

Share

About Author

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: