Reviews [April 2020]

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Imprint – „Balance EP” (OCCUPY003)

Occupy Sounds mittlerweile drittes Release kommt von Imprint und ist definitiv was für bassifizierte Junglists! Seine einzigartige Interpretation von Jungle spiegelt sich in Releases auf Lifestyle, Halogen Music oder Deep In The Jungle wieder und ist mindestens so emotions- wie bassreich! Für seine ‚Balance EP‘ hat er hier nun ein Trio von drei Breakbeat-Rollern um die 140bpm zusammengestellt, die nicht nur seinen sondern auch den Stil des Labels gut umreißen. Der Titeltrack ‚Balance‘ lässt sich in Sachen Oldschool-Flavour nicht lumpen und kommt zurückhaltend mit schön gebrochenen Beats und melancholische Atmosphäre. ‚Greenhouse Groove‘ lebt von Garage- und Technoeinflüßen und deftigen Bass Hits. Die Sample-Auswahl ist nicht zu verachten. Mit ‚Snuffed‘ gehen wir in etwas Percussion-reichere Gefilde. Der melancholische Faden zieht sich dennoch definitiv durch die EP. Imprint fusioniert hier nahtlos verschiedenste Genres zu einem herzhaften Bouquet aus Leftfield Bass und zeitgenössischem Jungle.

(Umut)

Release: 08.04.20
Label: Occupy Sound
Katalognummer: OCCUPY003

(9/10)




Jade – „Angry / Never Be” (EATBRAIN100)

Eatbrain feiert seine hundertste Veröffentlichung und wer wäre dafür besser geeignet als der Labelchef höchstpersönlich?! Genau, nämlich niemand! Jade hat sich mit seinen sägenden Basslines und flotten Drums einen Namen gemacht und mit ‚Angry‘ steht er seinem Ruf in nichts nach! Hier fallen Stämme nicht Späne. Was natürlich NICHT fehlen darf  ist ein passendes Vocal-Sample und ab dafür. ‚Never Be‘ ist eine verdammt passende Flipside, denn hier geht es mehr um Ent- statt Beschleunigung. Trotz der besagten flotten Drums kommt der aufgrund des restlichen Arrangements völlig entspannt rein. Es gibt wohl kein anderes Label, dass für den Neurofunk der Neuzeit so wegweisend war wie Eatbrain. Viel hat sich verändert im Laufe der Zeit, doch Bossman Jade bleibt seinem Stil treu und reisst damit immer noch reihenweise Leute vom Hocker. Getreu dem Motto: ‚Never change a running system!‘.

(Umut)

Release: 30.03.20
Label: Eatbrain
Katalognummer: EATBRAIN100

(10/10)

 



Various Artists – „We Are Products Vol. 3” (KP-032)

Krytika Productions ist ein Hamburger Label, dass sich der dunklen Seite des Drum & Bass verschrieben hat und seit seiner Gründung 2014 den eher unkonventionellen Sound repräsentiert. Hier finden Experimentierfreudige und Andersdenkende ein Zuhause. ‚Abyss‘ von Coma zum Beispiel spielt mit Filmscore-reifen Szenerien und verzichtet beinahe ganz auf jegliche Beatstruktur. Offish bringt mit dem vor Breaks, dicken Drums und reichlich Drama nur so strotzenden ‚Insurgency‘, ordentlich Schwung in die Bude. ‚Daahra‘ von Shinbu reitet auf dem Rücken einer verdammt schönen Bassline in den Sonnenuntergang und Detoxic spielt mit ‚Eclipse’ den Halftime-Sägen-Blues. Das russische Heißblut Abstractonia und Dyslexia haben sich auf ein äußerst rasantes Duett eingelassen und heraus kam ein rohes aber effektives DJ-Tool, welches das eine oder andere Set definitiv aufpeppen wird. Esyms Remix von Klaffs ‚Echolon’ weist ganz klar die Signatur des Australiers auf, ein Hybride aus Sägezahn, Cyberpunkästhetik und entspannten Drums. ‚Don’t Force It‘ von Kjubi ist dann wie die Rückkehr zur dunklen Seite mit gebrochenen Beats und noch dunklerer Atmosphäre. Spectrons ‚The Ignorance‘ bekommt von No_Name ein neues Gewand, Amen Tearout vom feinsten! Ex-The Sect-Mitglied Section 63 war seit dem Aus des Duos nicht untätig und fährt kurzerhand die Industrial Halftime-Schiene. ‚Din‘ von Makh kombiniert industriellen mit rockigem Sound und The Frey Effect machen mit ‚Surge‘ den abgedrehten Horrofilm aka das Schlusslicht in Trackform. ‚We Are Products Vol. 3’ setzt mit dem Titel nicht nur einen Sinn für Sozialkritik vorraus sondern spricht auch soundtechnisch eine klare Sprache, dark, düster, komplex, full on Krytika Productions.

(Umut)

Release: 25.03.20
Label: Krytika Productions
Katalognummer: KP-032

(8/10)

 



Convex – „Escape Velocity EP” (REBEL014)

Das Team hinter dem Londoner Label Rebel Music fährt, ganz dem Namen nach, die rebellische Schiene bewusst und gekonnt Trends zu ignorieren und sein eigenes Ding zu machen. Das resultiert in einer breiten Palette an Drum & Bass und Jungle der einfach n bisschen rougher klingt als zeitgenössische Kompositionen. ‚Boudica’ ist im Vegleich zu seiner britischen Namensvetterin eher weniger wild, mehr sachlich dahinsteppend. Titeltrack ‚Escape Velocity‘ spuckt da schon ganz andere Töne weil generell darker im Sound und Vibe. ‚System Shock‘ mit dem Portugiesen HumaNature beschäftigt sich mit komplexen Drumspiel und techy Sounds. ‚Quarantine‘, mein Favorit, vereint die Verspieltheit, Düsterkeit und Komplexität seiner Vorgänger zu einem einfach traumhaften Roller! Yessai! Convex liefert mit seiner ‚Escape Velocity EP‘ cutting-edge Techstep erster Güte, ist nicht hyper-modern aber für mich immer wieder gut zu hören und zu haben.

(Umut)

Release: 06.04.20
Label: Rebel Music
Katalognummer: REBEL014

(10/10)

 



Brain & Wreckless – „Incendio / Enhanced Realism / Perceptual Motion“ (DIS150)

Für Katalognummer 150 hat Ant TC1 für sein Label Dispatch drei Produktionen der Produzenten Brain aus Bogotá und Wreckless aus London einkassiert. Diese EP ohne Titel „zündet“ buchstäblich mit dem unnachgiebig wabernden „Incendio“. Dieser kontinuierlich wachsende techy Roller strotzt vor Details und entfaltet sein Feuer nach dem ersten Break erst so richtig. Bei dem kantigeren Tune „Enhanced Realism“ steht eine saftige Snare und eine dreckig verzerrte Bassline im Mittelpunkt und „Perpetual Motion“ ist dann noch eine Ecke technischer und verspielter. Hier schwingt und stockt der Beat zu dreckigen sowie futuristisch hallenden Sounds. Eine recht düstere und interessant zusammengetragene EP, die der runden Katalognummer durchaus würdig ist und den Sound von Dispatch entsprechend gut vertritt.

(Pasch)

Release: 17.04.2020
Label: Dispatch Recordings
Katalognummer: DIS150

(8/10)

 



Annix – „Behind The Time“ (PLAYAZ119D)

Nachdem schon die letzte Veröffentlichung auf Playaz ziemlich bemerkenswert ausfiel, überraschen jetzt die zwei Jungs von Annix aus Cheltenham mit einer für sie völlig untypischen Nummer. „Behind The Time“ ist eine heitere Drum & Bass-Ballade ohne wobbelnde, Lautsprecher zerstörende Powersounds. Diese kurzweilige Tune mit leichtfüßigem Rythmus, Piano-Klimpern, synthetischen Chor-Klängen und kitschigem „We dont have much time“ Vocal ist super produziert. Die beiden wollten hier offensichtlich mal wieder etwas ganz anders angehen und das ist ihnen absolut gelungen. Hype und Pascal scheinen indes an genau solch erfrischendem Sound interessiert zu sein. Zunächst wurde sogar auf jeglichen Remix verzichtet, wobei das schon alles nach genau einem solchen Folgeprojekt schreit.

(Pasch)

Release: 17.04.2020
Label: Playaz Recordings
Katalognummer: PLAYAZ119D

(10/10)

 

 

Myth – „No Limits EP“ (CIAQS027)

Der junge Producer Myth ist eigentlich schon langsam gut bekannt im Geschäft, haut er doch auch als Teil von Ill Truth reihenweise Tunes raus und teilt sein Know-How nun in gratis Video-Tutorials oder Sample-Packs. Viel los bei dem jungen Mann aus Bristol. Auch auf dem Label von Total Science tritt er nun erneut in Erscheinung und liefert neben drei Solo-Produktionen eine Zusammenarbeit mit Madcap ab. Die „No Limits EP“ auf Computer Integrated Audio (C.I.A.) startet mit dem trockenen und von klappernden Drums getriebenen Titeltrack. Das hallende Rastafari-Vocal und die zeitweise eingespielten Flächen geben dem Tune Raum. „Pathological“ baut sich geräuschvoll auf und rollt dann basslastig und gutgelaunt weiter. „Murk“ ist ähnlich perkussiv klappernd wie „No Limits“ und ebenso mit einem nachhallenden dutty Vocal verziert. Mit Madcap kommt dann noch ein Hauch mehr Funk und Melodie ins Spiel, auch wenn „No 1 Else“ dem selben Strickmuster folgt wie der Rest dieser EP. Alle Tunes sind solide, präzise und äußerst ausgeglichen in ihrer Stimmung.

(Pasch)

Release: 01.05.2020
Label: C.I.A.
Katalognummer: CIAQS027

(8/10)

 

 

Cyantific – „Falling“ (CYD001)

Seit seinem Album „Ghetto Blaster“ in 2006 ist Jon Stanley alias Cyantific eine Größe in Sachen Produktion und DJ-ing. Sein kurz darauf eigens gegründetes Label wurde nun durch die Tochter „Cyantific Discovery“ auf Bandcamp erweitert und auf den digitalen Weg gebracht. In der Ankündigung dieses Entwicklungsschritts lässt sich Cyantific nun bezüglich seiner Selbst zu ein paar Statements hinreißen und bezeichnet „Falling“ als eine seiner besten Ergebnisse. In einer Zeit ohne Partys brauche es darüber hinaus umso dringender Musik. So selbstbewusst wie seine Worte klingt nunmehr auch seine Musik: epische Vocals, schriller Leadsound, peitschende Snare, Sägebass und Feier-Atmosphäre. „Falling“ ist defifnitiv einer für die großen Dancefloors und Radio-DJs. Das für Ende April geplante Release hat Jon kurzerhand vorgezogen und schon jetzt erhältlich gemacht. Schon auch praktisch wenn man in Sachen Vermarktung alle Zügel selbst in der Hand hat.

(Pasch)

Release: 24.04.2020
Label: Cyantific Discovery
Katalognummer: CYD001

(9/10)

 

 

Maze – „Yeah / Mindbreaker“ (OCT019)

Wem zuvor bei dem Release auf Playaz die Erwartungen zerschlagen wurden, der kann getrost bei der neuen Veröffentlichung auf Octave Recordings reinhören. Denn genau so schnörkellos und brachial wie die meisten Produktionen von Annix kommt hier „Yeah“ von Maze daher. Das Label von DJ Profile feierte schon mit Replicants „C.R.E.W.“ einen Erfolg und dürfte nun einmal mehr die Fans von rasantem Drum&Bass und Jump-Up der neueren Generation glücklich machen. Neben „Yeah“ geht auch das angefügte „Mindbreaker“ mit seinem prolligen „What the fuck you mean“ Vocal einfach nach vorne. Von Liebe zum Detail kann zwar bei beiden Tunes nicht die Rede sein, umso mehr aber von Funktionalität im Party-Kontext. Die simple Machart und der krachend komprimierte Sound wird daher in einigen DJ-Sets seinen Platz finden und hoffentlich auch bald wieder die Tanzflächen zum herumhüpfen bringen.

(Pasch)

Release: 17.04.2020
Label: Octave Recordings
Katalognummer: OCT019

(7/10)

 

 

 

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