Reviews Mai 2020

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Xenon-„Hypothermia EP” (DSCI4032)

Schon vor beinahe drei Monaten lag Xenons neue ‚Hypothermia EP‘ bei mir auf dem virtuellen Schreibtisch. Es hat ne Weile gedauert aber nun ist das vollumfängliche Debut des Wahlberliners auf DSCI4 erschienen und wird dem prestigeträchtigen Label definitiv gerecht. Bei ‚Rush‘ geht es dann auch ohne Umschweife los mit unheimlich tanzbarem Rhythmus der mit unaufdringlichem Bass korreliert. ‚Cyber Girl‘ kommt mit einer deftigen Prise Heavyness, pushenden Percussions als auch massig Druck und ‚Hypothermia‘ schmückt sich mit Acid-Sounds und unvergleichlicher Eindringlichkeit. Hello darkness my ol’ friend! ‚Sailing Into Darkness’ nimmt euch mit in die sprichwörtliche Dunkelheit, angetrieben von passendem Vocal-Sample. Da bleibt nicht viel Zeit für positive Klänge. Mit dem dann folgenden lässt Jonas in all der Dunkelheit Hoffnung aufkeimen. ‚Suppressed Feelings’ ist genau das Gegenteil dessen was der Titel verspricht, fühlt sich mehr wie ein Befreiungsschlag an und entbehrt nicht einem gewissen Hang zur Melancholie. Mögen die Klänge per se nicht unbedingt Gefühlsduselei verspüren lassen fühlt sich alles doch sehr emotional und wichtig an! ‚Basement 030’ macht schlussendlich den Sack zu mit deftigem Growl und flotter Drumwork as per. Xenon holt sich soundtechnisch reichlich Anleihen aus der Berliner Technoszene und führt diese gebrochenen Beats zu. Heraus kommt Techstep wie er sein soll, raw und dark! Chapeau! (Umut)

Release: 27.04.20
Label: DSCI4
Katalognummer: DSCI4032

(8/10)

Quadrant & Iris -„Form Constant EP” (SUICIDE107)

Schon wieder ein prestigeträchtiges Label, schon wieder Techstep! Der Name ist Commercial Suicide, die Künstler Quadrant & Iris, das Release ‚Form Constant EP‘. Zu den ersten beiden Themen muss nicht mehr viel gesagt werden dafür aber zur frischen EP des amerikanischen Duos. Titeltrack ‚Form Constant‘ holt dich mit vibrierender Intensität, Rasanz und conträr schwerer Drumwork ab. ‚Make Me Feel It‘ ist das interdimensionale Tor direkt in die Mitte 90’er, die Zeit der Mitsubishis, verschwitzten Körper und des hard-hitting Techstep. Bei ‚This Is Not Normal‘ setzt das Duo auf reichlich Percussion, trancige Leadsounds und zurückhaltende Drums. Als nächstes haben wir Homemade Weapons’ Remix von ‚Dark Star‘ auf der Liste. Wie zu erwarten voller Düsterkeit, Power und ner Menge Amen! Dagegen fühlt man sich mit Philths Remix von ‚Angular‘ wunderbar weich und flauschig. Zumindest wenn man dem Intro glauben schenkt. Man wird von Phil’s typisch verträumten Pads eingelullt und im nächsten Moment werden die Höllenhunde losgelassen. Darf ich vorstellen Growl & Krunch! Quadrant & Iris haben mit dieser EP erwartungsgemäß mehr als abgeliefert und die Remixes sind auch nicht ohne Besonders für Fans verloren geglaubter Klänge ein Muss! (Umut)

Release: 24.04.20
Label: Commercial Suicide
Katalognummer: SUICIDE107

(10/10)

Nemy -„Data / Solution” (LCKD021)

Nachdem sich Locked Concept zuletzt mit weniger cluborientierter Musik als mit atmosphärischen Klängen beschäftigt hatte gehts mit Nemy’s ‚Data / Solution‘ direkt wieder auf den DnB-Dancefloor. Der junge Belgrader Produzent bahnt sich stetig seinen Weg raus aus dem Newcomertum und landet mit seinem Sound auf Labels wie Delta 9, Drum Army oder Program. ‚Data‘ ist ein düster-anspruchsvolles Stück listiger Musik denn was zunächst noch wie ein zurückhaltender Roller anmutet mutiert kurzerhand zum absoluten Brecher! Als nächstes wäre da ‚Solution‘, Flipside und bessere Hälfte der Single. Zumindest nach mir. Auch hier lauern hinter entspanntem Intro harte Drums, böse Bässe und industrieller Flair deluxe. Der Grundton der EP ist grundsätzlich sehr reduziert, hat etwas von dem klassischen Neurofunk-Vibe nur halt eben mit Nemys Handschrift. Gefällt mir sehr gut, was der Dude da aus dem Hut zaubert! (Umut)

Release: 02.05.20
Label: Locked Concept
Katalognummer: LCKD021

(10/10)

Razlom -„Devastate / Hyperjump” (H010)

Hanzom Music ist ein Label, dass sich langsam aber sicher von der breiten Masse abzuheben weiß. Wenn es um düsteren, gerne auch härteren, Sound geht wird man bei Hanzom definitiv fündig. Unter anderem Jestah, Xeomi & Kaiza, Art1fact, OaT oder kürzlich eben Razlom steuerten hörenswertes Material bei. Razlom ist ein Duo bestehend aus den russischen Szeneveteranen Encode und Nouwa dessen Sound sich auf trockenen, ehrlichen und vor allem dreckigen Neurofunk beläuft. ‚Devastate‘ steht dem in nichts nach startet mit wuchtig-bissigen Drums um dann im Umkehrschluss Höllenfeuer in Form von funky und noisy Bässen runterregnen zu lassen. Neurofunk auf Halbzeit anyone? ‚Hyperjump‘, mit passendem Vocal, ist in diesem Szenario trotz Entschleunigung die rabiate Axt im Walde. Die Säge mäht alles nieder! Me gusta! (Umut)

Release: 27.04.20
Label: Hanzom Music
Katalognummer: H010

(7/10)

Subp Yao -„C’Mon Badness EP” (UNCH017)

Jedesmal wenn etwas Neues von Unchained in meinem virtuellen Postfach landet freue ich mir ein Lock in den Bauch. Wenn dann noch Subp Yao auf dem Etikett steht bin ich instantly hooked! ‚C’Mon‘ flext mit seiner Noise-getränkten Bassline einfach alles weg. Hier und da ein paar Ravesounds und Vocals und ab dafür. ‚Badness‘ ist all das und noch viel mehr. Brachiale Drums kollidieren hier mit Sägezähnen und heftigstem Druck untenrum. Mit ‚Like‘ landest du direkt im Neocortex von Skynet voller mechanischer Sounds und hochgepitchten Percs. ‚Ok‘ stolpert völlig effekttrunken zwischen spaced out Lo Fi-Einlagen und hart peitschenden bassigen Parts. Wem der Hip Hop-Charakter der Platte bis jetzt noch nicht aufgefallen ist dem ist spätestens nach dieser Nummer glasklar woran er / sie ist. Subp Yao schafft es immer wieder zu überraschen! Auf seiner letzten EP auf MethLab hing der Belgier noch im 140bpm-Bereich ab, nun kehrt er mit altbekannter Halftime-Manier zu Unchained zurück und haut uns seinen Sound nur so um die Ohren! (Umut)

Release: 08.05.20
Label: Unchained Recordings
Katalognummer: UNCH017

(10/10)

Gold Dubs – “Champagne & Asparagus” (BORN031)

Der Produzent Gold Dubs aus Birmingham bringt auf Born On Road ein ganzes Album an den Start, auf dem er mit einer ganzen Reihe Künstlern aktuellsten, wie auch zeitlosen Jungle/Dancehall und Drum&Bass zelebriert. Die Vielfalt der Subgenres ist dabei bemerkenswert gut abgestimmt und das Album durchzieht durch den konsequenten Jungle-Style der 11 Tunes und durch die vielen Vocals ein deutlicher roter Faden.
Nach einem Intro und der wummernden Ansage “Set The Level” mit Jman & Joe Burn, wird es mit dem trappy “So Ya Feel” geradezu experimentell und mit dem Halftempo-Beat von “Bad to The End” plötzlich wild. Das in Zusammenarbeit mit Aries entstandene “Good Vibrations” rollt locker und aufmunternd vorwärts. Ab hier befinden wir uns dann ganz klar auf Drum&Bass-Kurs. Nach dem packenden “Memory Lane” mit den energischen Vocals von Adjua, wird es mit “Tiger Balm” nochmal richtig klassisch. Der Titeltrack des Albums ist ein perfekter, Gute Laune versprühender Party-Tune und ragt mit seinen über 6 Minuten nicht nur zeitlich etwas heraus. Wie auch bei dem zeitgemäßen “Chronic” liefert hier Cheshire Cat sehr treffsichere Lyrics zu den Beats. Die Bassline von “Body Fusion” und der ravige Klang von “Virus” sind weitere stilistische Ergänzungen, die “Champagne & Asparagus” zu einer runden Sache und für Reggae-affine Drum&Bass-Hörer sicher zu einem Top-Album der letzten Monate machen.
(Pasch)

Release: 15.05.2020
Label: Born On Road
Katalognummer: BORN031

(10/10)

Dub Elements – “Shit” (DEM009)

In Sevilla, das hört man auch so ziemlich allen Sets und Produktionen von Dub Elements an, beherrscht seit langem ein rauer Sound die elektronische Musikszene. So wie es die dort starke Breaks-Szene vormacht, hat das Duo den Weg gewählt ein eigenes Label für ihren Output zu betreiben. Nun veröffentlichen sie mit “Shit” selbstbewusst die nächste Eigenproduktion auf der neunten Katalognummer und diese ist erstaunlich funky und schrill, lässt die typische Härte sogar fast etwas vermissen. Doch das passt. Quitschende und zischende Sounds, eine unterschwellige Bassline und das banale “I make that shit work” vor dem Drop, machen zusammen einen simplen, animierenden Tune mit wenig kreativem Titel. Dub Elements rücken den Süden Spaniens einmal mehr auf die Drum&Bass-Landkarte und zeigen dass sie auch an ihrer eigenen Weiterentwicklung dranbleiben, ohne von ihrer generellen Idee abzukommen. Denn energiegeladen ist so ziemlich alles was mit der “Marke” Dub Elements zu tun hat – so auch dieser “Shit”.
(Pasch)

Release: 12.05.2020
Label: DEM Records
Katalognummer: DEM009

(7/10)

Surreal – “On&On” (FOKUZ20077)

Der allseits geschätzte DJ und Produzent Surreal lebt im “Herzen von Europa” – in Frankfurt am Main – und ist längst für liquiden Drum&Bass mit viel Funk und Soul bekannt. Musik die eben Herz und Seele mitnimmt und auf eine schnelle Reise entführt. Seine Tunes und auch seine Clubsets sind geprägt von organischen wie auch synthetischen Klängen und versprühen meist eine gewisse Leichtigkeit. So auch bei “On&On” auf dem Imprint Fokuz aus Rotterdam, welches quasi sein Stamm-Label geworden ist.
“On&On” flowt locker daher, mit funky Stabs, rasselnden Drums und einem “Don´t stop, come on” Vocal für den Widerkennungswert. Zahlreiche weitere kurze wie auch lange Vocal-Cuts fügen sich in dieses Flow ein und verhelfen dem Tune zu seiner ausgesprochen optimistisch gut gelaunten und erfrischenden Atmosphäre. Ein gewisser Einfluss durch einen seiner Lieblingsproduzenten ist kaum abzustreiten, denn hier erinnert die Bauart und auch der Vibe sehr an Random Movements Produktionen, kommt aber auch erstaunlich gut an dessen herausragende Qualität heran. Es wäre wenig verwunderlich wenn “On&On” nicht auch in den Sets ähnlicher DJs hoch und runter laufen sollte. Ein großartiger Tune für den hoffentlich nicht enden wollenden Sommer, der uns nun bevorsteht. (Pasch)

Release: 15.05.2020
Label: Fokuz Recordings
Katalognummer: FOKUZ20077

(9/10)

Subtle Elements – “South West Swing” EP (DISLTD077)

Mit “South West Swing” verweist Subtle Element auf seine Heimat Cornwall, was das schöne Foto des Artworks mit einer vor Wellen nur so schäumenden Küstenlandschaft nochmal unterstreicht. Es ist eine besonnen klingende EP mit vier Tunes und ohne Gastbeiträge auf Ant TC1s Label Dispatch bzw. dem Tochterlabel für aufstrebendes Talent.
“Gradual” beginnt wie ein Gewitter und phasert dann langsam in Richtung Drop, bevor ein nüchterner Beat mit minimalen Sounds und einem fast nur angetäuschtem Bass-Schnipsel durchläuft. Das schöne “Questions & Answers” dagegen ist nicht mehr so nüchtern wie der Opener aber ein sehr lässiger Tune mit der gesungenen Frage “would you be mine?”. Die Antwort bleibt allerdings aus. “Stabproof” ist, wie der Name schon erahnen lässt, etwas düsterer. Ein dreckiger und fortan leicht modifizierter Bass, spannungsgeladene Flächensounds, Bleeps und Clicks machen diesen soliden Tune aus. Zum Abschluss wird es mit dem Titeltrack der EP wieder trocken und funky zugleich. Auch “South West Swing” ist, wie die gesamte EP, doch ziemlich sparsam und unaufgeregt gehalten. Dispatch-Sound eben. Immer eine solide Angelegenheit! (Pasch)

Release: 22.05.2020
Label: Dispatch Limited
Katalognummer: DISLTD077

(8/10)

Filthy Habits-„Catastrophe/Dungeon” (LDDR146)

Filthy Habits schwingt sich mit diesem Release auf dem Nummer Eins-Imprint Low Down Deep hoch zum Olymp des Rubberduck-Step und zeigt allen Wannabes einfach mal kurz was zu gehen hat. “Catastrophe” ist so vollkommen dummdusselig, dass ich leider den Wahnsinn rauslassen muss und zuhause auf der Kloschüssel den Backstage-Rave-Step-Contest gewinne. Und zwar ganz easy und mit Abstand. Man könnte meinen, dass die Flip (“Dungeon”) dann etwas ernster reinkommt. Mit einem albernen Intro-Riff angetäuscht und dann einfach wunderbar jedem den Mittelfinger ins Rektum. Und hey genau das ist was ist. Burt Reynolds sagt auch hallo und du flippst direkt aus! (Kaiza)

Release: 08.05.20
Label: Low Down Deep Recordings
Katalognummer: LDDR146

(8/10)

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