Reviews Juni 2020

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Kocky-„Dissolve” (TCM007)

Die siebte Third Colony Music featured einen gewissen Kocky aus Bristol. Ich musste ja erstmal…. Ach, lassen wir das mit dem Namen. Ist ja seine Entscheidung. Die Mucke ist ziemlich fresh tho: contemporary, aber nicht generic. Etwas nebendran (sicher kein Mainstream), aber auch nicht völlig gaga. Cleane Geschichte mit einer gehörigen Portion Wumms. “Senses” und “Drips” sind echt gelungen und der Titeltrack “Dissolve” macht dann den Laden zu und das Dingen klar. (Kaiza)

Release: 15.06.20
Label: Third Colony Music
Katalognummer: TCM007

(
7/10)

 

Bop-„Études 2008-2013” (NOCAT)

Am anderen Ende der Galaxie arbeitet ein verrückter Wissenschaftler an Raum-Zeit-Manipulationen und das Ergebnis ist bahnbrechend. Sein Name lautet Bop. In seiner Freizeit komponiert er mal nebenbei grossartigste Musique. Er begründet den Microfunk und ist ein Meister des gekonnten Glitchs. Und jetzt gibts ein paar bisher unveröffentliche Tracks die den geneigten Connaisseur (will sagen: alle die das verstehen können) in einen Zustand der Glückseligkeit verbringen dürften. Der Standard-Junglist mit den “DNB4LIFE”-Knuckle-Tattoos wird gegebenfalls laut “Ich will jetzt ein SASASASASASAS-Set mit 9 zusätzlichen Gast MCs!” schreien, aber wayne interssiert das schon. “Phantasmagoria”, “Searching The Truth”, “Microfunk” und vor allem der “Galactic Glider” mit Subwave sind superb und zeitlos. Juckt niemand, dass die Dinger teilweise älter als 10 Jahre sind. Chapeau! (Kaiza)

Release: 05.06.20
Label: Microfunk
Katalognummer: NOCAT

(5000/10)

 

Various Artists-„Outliers:1” (NOCAT)

Ein weiteres Paralleluniversum wird vom Quantendirektor Presha von Berlin aus betrieben. Samurai Music hat einen ganz eigenen Anspruch, eine eigene Logik und demnach auch völlig eigene Gesetze. Die Grey Area zwischen Drum & Bass und Techno, zwischen abstraktem Ambient und weitem Weltall und natürlich zwischen Genie und Wahnsinn wird erneut auf dem aktuellen Release ausgelotet. Das was hier passiert ist ziemlich advanced, weit weg vom Trend und mitten im Nexus der Originalität. Artists wie Antagonist, Artilect und ASC machen unglaublich dichte Tracks, Iridium fürs Ohr sozusagen. Homemade Weapons ist auch dabei weiter an seiner versteckten Weltherrschaft zu arbeiten und introduced mit zwei Collabs einen Artist namens Last Life (der Solotrack ist ebenfalls der Hammer!), The Untouchables, Torn, Red Army und und und. Ich krieg mich nicht ein. Unbedingt alles anhören. Superlativistischer Release für alle die nicht hier bleiben wollen. (Kaiza)

Release: 15.06.20
Label: Samurai
Katalognummer: NOCAT

(8/10)


Various Artists-„Inception EP” (CODESMELL001)

Code Smell ist ein neues Label, das 2020 gegründet wurde und den klaren Auftrag vertritt, dunklen, funky, qualitativ hochwertigen und zukunftsorientierten Drum & Bass zu fördern. Das Label steht unter der Leitung von Kill Tomorrow-Owner Bytecode (Teil der Neurofunk-Supergroup Instinkt) und mit einem Debüt wie ‚Inception‘ ist der Sitz im Neuroolymp schon fast sicher!
Was Cyberpunkflair und ordentlich Druck unter der Haube angeht sind Disphonia sowas wie Botschafter des Sounds und gehen mit ‚Guillotine‘ auch all in! Die Percs flattern dir nur so um die Ohren und der Bass heizt schneller an dir vorbei als der TGV! Deluxe! Mittlerweile in den Niederlanden angelangt findet Transforma nach viel Schweigen auch mal wieder einen Ton und donnert dir stampfende Basshits ins Hirn. ‚Plagues‘ ist ultimativ-rockiges Kopfnickerbiz gepaart mit orchestralischer Dramatik. Labelgründer Bytecode macht mit ‚Kinetic‘ da weiter wo sein Vorgänger aufgehört hat bloß werden hier die Filmscore-reifen Introcuts rausgeholt und hinterher mit funky und bouncy Rhythmik angereichert! Das ist der Funk in Neurofunk meine Damen & Herren! Das Schlusslicht machen The Prophecy zeitgenössisch mit dem Titel ‚Vaccsine‘, löl! Die Herren stellen sicher, dass auch jeder unbefriedigte Neurofunksüchtige seine tägliche Dosis hart-hitting DNB einimpfen kann! Wenn das mal nicht ein vielversprechendes Labeldebüt ist weiß ich auch nicht weiter!
(Umut)

Release: 01.06.20
Label: Code Smell
Katalognummer: CODESMELL001

(9/10)


Dose-„Hurt So Bad EP” (HUSKI003)

Szene Newcomer Huski Records hauen ein Top Release nach dem anderen raus! Erst War, jetzt Dose, was kommt als nächstes? DLR? If so, yes plz! Dose’s ‚Hurt So Bad EP‘ ist auf jeden Fall was für geneigte Heads! Titeltrack ‚Hurt So Bad‘ mit seinem Down Under-Waffenbruder Confusious kommt mit effektgetränkten Vocals und entspanntem Grundvibe rein und dabei bleibt es dann auch! Etwas für diejenigen die es eher etwas ruhiger mögen. ‚Shake The Future‘ fängt mindestens genauso verträumt an zum Drop erstmal ein wahrhaft legendäres Vocal und ein waschechter Dose-Drop, dreckig düster und drückt untenrum. Genau mein Ding! ‚Feel Good‘ ruft auch wohlige Gefühle einer besseren Zeit hervor mit seinem spacey 80er-Gitarrenlick. Mit ‚Side Fx‘ holt Dose dann nochmal die Sounds raus für die ich ihn lieben gelernt habe! Lässig wummernde Bässe und ein unverkennbarer Style an den Drums! Bitte wieder mehr davon! Tom Robinson lässt übrigens grüßen!
(Umut)

Release: 15.06.20
Label: Huski Records
Katalognummer: HUSKI003

(10/10)

 

Incorporate-„Offended EP” (MLDNB020)

Major League ist wohl mit Cheeky Monday, Korsakov, Nox und Blackout eines DER Outlets in Sachen Drum & Bass in Holland. Nebst renommierter Partyreihe erfreut sich auch das Label sehr großer Beliebtheit mit vorwiegend Neurofunk auf der Speisekarte. Diesmal gehts aber in deepere Gefilde mit Incorporate’s ‚Offended EP‘! ‚Nausea‘ startet mit mystischem Intro voller wellengleicher Pads und föhnt dich mit dem Drop trotz Platzregen trocken. Aufbauend auf enstpannten Drums ist ‚I Need You‘ ziemlich ruhig aber entwickelt sich gut weiter. ‚Offended‘ kommt mit coolem Groove und rollendem Bass und absolut weirder Pfeifenlead nach hinten raus. J-Path hat ‚I Need You‘ komplett auf den Kopf gestellt und wandelt das Ding kurzerhand in nen Neuro-infused Halfttime-Banger um! Zum Schluss gibts mit Optic noch was wildes zum Absch(l)uss mit reichlich Druck! Krieghörner sind die neuen Nebelhörner! Geiles Releases von geilen Tüpen!
(Umut)

Release: 22.05.20
Label: Major League DNB
Katalognummer: MLDNB020

(9/10)

 

Sentic Cycle – „Patched In Visions EP“ (TURB017)

Turbine Music, das Tochterlabel von Dust Audio, ist wieder am Start und hat mit dem Release von Sentic Cycle aus Wien frisches Talent an Bord. Auf Turbine wurde schon früher eher experimenteller Sound präsentiert und so kommt auch die vier Tunes starke „Patched In Visions EP“ ohne Dancefloor-Kracher, dafür jedoch mit sehr interessantem Halftime-Sound und Dubstep daher.
Das weirde Vocal des Titeltracks passt schonmal sehr gut zu der schleppenden, bedrückenden Athmosphäre. Die messerscharfe Snare, der blecherne Klang und die drückende Bassline machen „Patched In Visions“ zu einem super ausgewogenen Dubstep-Tune. „Bangz“ mit Flipz MC läuft dann im astreinen aber unaufdringlichen Halftime-Format durch, unterstützt von coolen wie schnellen Rap-Vocals und einem sehr gezielten Einsatz der einzelnen Sounds. Alles on point. Das, von hoch- wie tief-gepitchten Vocal-Schnipseln begleitete „Off The Wall“ ist etwas melodischer und experimentell gestaltet, was mit dem sehr reduzierten „Shack“ noch weiter ausgebaut wird.
Diese EP macht bereits Freude und bringt Sentic Cycle noch weiter oben auf der Liste der Interpreten, die es in Auge und Ohr zu behalten gilt. (Pasch)

Release: 26.06.2020
Label: Turbine Music
Katalognummer: TURB017

(7/10)

 

Zezalien – „Dust It Off EP“ (SKLTR020)

Der junge Zé, besser bekannt als Zezalien, ging seine ersten Schritte in Sachen Drum & Bass bereits vor Jahren mit der Invasion Crew aus Faro im Süden Portugals. Nachdem er zuletzt auch einen Tune mit Bassment auf Citrus veröffentlichte, steht nun sein Release auf dem, ebenfalls portugiesischen Label von Skalator an: die „Dust It Off EP“. Die 20. Veröffentlichung auf Skalator Music kommt mit gleich vier Solo-Tunes von Zé daher und wird auch in Portugal von Hugo Santos gemastert. Diese enge und persönliche Zusammenarbeit macht Skalator Music auch aus und dies stärkt so sicherlich die musikalische Identität dieser Szene am südwestlichsten Zipfel Europas.
Die vier Tunes sind allesamt recht technisch und rollend, vehement und doch unaufgeregt. Der monotone Aufbau und die futuristischen Vocals bei „The Purge“ sind äußerst stimmig, der Opener „Hooking The Beats“ baut eine schöne Spannungskurve auf und wird von schönen Rap-Samples aufgelockert. Der Titeltrack entwickelt einen entspannten Groove und „Talismanic“ schließt die EP mit einer düsteren Grundstimmung ab, ohne dabei hart zu klingen.
Mit der EP baut Skalator seinen Katalog und die Idee seines Labels weiter aus, erweitert seinen Kader um den passenden Nachwuchs und gibt Zezalien die Möglichkeit seinen eigenen Sound zu definieren. „Dust It Off“ ist eine runde Sache geworden. (Pasch)

Release: 26.06.2020
Label: Skalator Music
Katalognummer: SKLTR020

(7/10)

 

Prestige – „Weapons EP“ (DTR080)

Das US-Label Digital Terror hat für seine kommende Veröffentlichung die „Weapons EP“ des russischen Jump-Up-Produzenten Prestige in der Cue. Prestiges Releases erfüllen meist was sie versprechen und sind den meisten Hörern dieses Subgenres schon häufig untergekommen.
Den schonungslosen Jump-Up, den sowohl Titel der EP als auch Name des Labels vermuten lassen, gibt es unter den fünf Tunes definitiv zu finden. Spätestens „Strange Times“ haut ordentlich auf die Nervenstränge und mit „Change“ gibt es auch den obligatorischen Foghorn-Sound dieser Tage auf die Ohren – wenn auch auf Prestiges eigene Art. Insbesondere die ersten beiden Tunes, „Interfere“ und „Weapons“, zeigen jedoch ganz passend auf, dass sich Prestige oft zwischen einem soliden Jump-Up-Sound und aktueller Entwicklung bewegt. Auch der typisch gekonnte Einsatz von kurzen melodischen Phasen und trockenen Vocal-Cuts ist eher klassisch im Sinne des Genres. Prestige vermeidet es auch konsequent, Tunes mit Soundspuren zu überladen und einen möglichst hohen Stressfakor zu erzeugen, was für das Mixing seiner Tunes in DJ-Sets sehr unterhaltsam macht. Der letzte Tune“By A Bird“ ist allerdings einfach nur ziemlich verspult und weicht von dieser Mischbarkeit ein wenig ab.
Auch wenn Namensgebung und bedientes Subgenre hier sicherlich Geschmackssache sind, wird mit der „Weapons EP“ wieder deutlich, dass Prestige für eine bestimmte Qualität steht und sich von Trends zwar inspirieren, doch selten oder gar nie beirren lässt. (Pasch)

Release: 26.06.2020
Label: Digital Terror
Katalognummer: DTR080

(8/10)

 

 

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