Zombie Cats Interview

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Es gibt ja durchaus einige Drum & Bass-Projekte die bekannt und erfolgreich sind und auf großen Labels releasen und die im Weltzirkus des gebrochenen Beats eine signifikante Rolle spielen. Aber nur ganz wenige „Brands“ haben eine solch loyale Fanbase und können die unübliche Transformation von „Trueschool-Neurofunk-Fackelträger“ zu „Freiheitsstatue der Kreativität“ meistern. Sie wollen einfach nur noch gute Tunes bauen und sich nicht mehr festlegen. Und dem müssen wir mal nachgehen und ein paar Fragen zum Hintergrund stellen.

Hallo Leute! Zombie Cats ist musikalisch wohl jedem ein Begriff. Jetzt wollen wir versuchen die Köpfe dahinter etwas kennen zu lernen. Erzählt uns doch mal ein wenig über Euch: wer ist aktuell Teil der Zombie Cats? Mit wem sprechen wir jetzt in diesem Interview?

Aktuell besteht Zombie Cats im Kern aus den zwei Personen Rouven Fehr und Ross Deschamp. Ich persönlich zähle aber auch Menschen wie Ruben, die im Social Media Bereich agieren oder auch die Stepper, die uns tänzerisch unterstützen, dazu. Du sprichst gerade mit dem deutschsprachigen Teil.

Ok, Moment. Das interessiert mich näher. Ihr habt so eine Art Marketingabteilung? Wieviele Leute sind das?

Beides. Auf der einen Seite gibt es die Gruppe von engen Drum & Bass Freunden, die uns aus Leidenschaft unterstützen, Leute wie Lennart, Connor und die ganze Crab-Family. Sie helfen sehr, die Informationen zu verbreiten. Auf der anderen Seite engagieren wir aber auch professionelle Marketing-Agenturen für ausgewählte Projekte. Für das Album haben wir eine Kampagne laufen.


Ok interessant! Und wie regelt ihr eure Zusammenarbeit? Ihr wohnt ja nicht gerade um die Ecke. Macht ihr das Meiste wahrscheinlich online? Welche Tools helfen euch?

Ross und ich sind erprobt seit 2006 uns Projekte hin und her zu senden. Über die Jahre hat sich eine klare Arbeitsteilung herauskristallisiert und es funktioniert. Wir arbeiten in einer gemeinsamen Dropbox. Clips von Ideen werden gesammelt und in den gleichnamigen Ordner abgelegt. Oft ruhen diese Ideen ein paar Wochen oder Monate oder Jahre, da es hilfreich ist Abstand zu gewinnen, bevor sie wieder angehört werden. Ist ein Track beendet, hört man rein und schaut an was als Nächstes bearbeitet wird. Letztendlich landen die Spuren bei mir und ich kümmere mich um das Entwickeln eines Songs, den Gesamt-Sound.

Ok, also bist du letztlich derjenige der Ideen in Strukturen umsetzt und finalisiert. Ross ist eher so der Sound-Design-Typ?

Für Zombie Cats hast du das gut umschrieben. Ross entwickelt den Vibe. Dann nehme ich mir die Skizze und arbeite diese professionell auf: Drums, Arrangement, Mix. Ich füge weitere Sound-Elemente hinzu, forme die Idee zu einem Song. Ganz selten produzieren wir getrennt voneinander ganze Lieder für Zombie Cats, die aber letztendlich unter unserem gemeinsamen Namen rauskommen.

Wie kam es überhaupt dazu die Zombie Cats ins Leben zu rufen?

Da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Ross und ich haben schon vor Zombie Cats gemeinsam Musik geschrieben. Ich blicke gerne auf die Anfangszeit zurück, diese jugendliche Unbeschwertheit. Und darin lag auch das Problem, es hat an Professionalität gefehlt. Man hat mit vielen kleinen Labels zusammengearbeitet, viele mittelmäßige Tracks veröffentlicht und keinen Gedanken an dem Look des Projektes verschwendet. Dadurch erhält ein Musikprodukt schnell einen „beliebigen“ Anstrich. Heute ist es sogar noch um vieles wichtiger sich um die Gesamterscheinung Gedanken zu machen.
Damals fühlte es sich so an, dass einige große Labels unsere Musik zwar gut finden, aber keine Beständigkeit oder Professionalität vermuteten. 10 Jahre zurück betrachtet, würde ich dem auch zustimmen.

Du sprichst von den Rregula & Dementia-Collabos? Findest du die mittlerweile nicht mehr so dolle oder gibt es hier und da vielleicht noch ein Evergreen?

Es gibt ein paar Lieder, die ich mir gerne anhöre. Das sind Tracks wie Overcast, Sludge Tunnel, Fortress und besonders Humans. Das damalige Feeling ist heute noch in den Liedern enthalten. Technisch haben wir in der Zwischenzeit viel gelernt und das wird sicherlich auch so weitergehen; ein lebenslanger Prozess. Den Künstlernamen ansonsten finde ich schrecklich. Gut, dass wir die Entscheidung getroffen haben, diesen zu wechseln.

Ok, aber zurück zur Frage wie die Zombie Cats entstanden sind.

Seit 2014 hat sich das dann mit Zombie Cats vieles geändert. Zombie Cats beinhaltet alle Erfahrungen. Selbst der Name ist bewusst gewählt: Zombies interessiert die Boys, Cats interessiert die Damenwelt. Letztendlich geht es aber auch vice versa.
Uns ist es wichtig professionell zu arbeiten, aber die jugendliche Begeisterung zu behalten. Ross und ich reden oft über unsere Erfahrungen, alte Stories und lachen dabei. Sich die Freude an der Musik zu erhalten ist mit das Wichtigste.
Mit Eatbrain kam 2014 der passende Partner für den Start dazu. Ich meine, das klingt schon fast zu gut: Zombie Cats auf Eatbrain. Dabei ist Zombie Cats losgelöst von Eatbrain entstanden. Mefjus hat damals, nachdem ich ihm den Namen gesagt und ihm die ersten Tracks gesendet habe, vorgeschlagen: „Schick die Sachen zu Jade“. Er hatte selbst kurz zuvor eine Single auf Eatbrain veröffentlicht. Good times!

 


Was macht die Zombie Cats aus? Ich meine, es gibt eine Menge Drum & Bass-Projekte, die aus mehreren Leuten bestehen, aber nur wenige haben eine so solide Fanbase wie ihr. Irgendetwas Besonderes müsst ihr ja haben.

Ich vermute, das ist ein Mix aus vielen Dingen. Wir haben unsere treuen Hörer von damals, “Modern-Neurofunk”-Hörer und seit knapp einem Jahr haben wir den Sound weiter geöffnet und weitere Hörer aus dem Bereich Liquid sind dazugekommen. Auch über den Namen und über das Merch sind Leute auf uns aufmerksam geworden, was natürlich eine tolle Rückmeldung ist, dass der Name und Look funktioniert.

Vor nicht allzu langer Zeit habt ihr das Projekt gerebootet. Soweit ich das verstanden habe war das eine Entscheidung, die vor Allem getroffen wurde um den sehr festgelegten Namen soundmässig für Neues zu öffnen. Oder ist das eine durch personelle Veränderung getragene Entwicklung gewesen? Kannst du uns die Hintergründe erläutern?

Die Entscheidung basiert auf dem Wunsch unser volles Potenzial zu entfalten. Von 2014 bis 2019 haben wir uns ganz bewusst auf eine konkrete Ecke des Drum & Bass-Kosmos fokussiert. Wir möchten unsere Fans, die uns eng mit Eatbrain und den “Modern Neurofunk”-Sound verbinden, auch weitere Aspekte von ZC präsentieren. Wenn man unsere Roots anschaut (Konflict, Bad Company, Sinthetix etc.) und die Entwicklung von Drum & Bass, inklusive der einzelnen Stilrichtungen, dann würde ich persönlich sagen, dass das Erbe des klassischen Neurofunks (von 1998 bis 2003) durch Labels wie Dispatch (und andere) fortgeführt wird.

Klassischer Neurofunk: 

Eatbrain identifiziert sich eng mit Neurofunk (Premier Neurofunk), meiner Meinung hat Eatbrain jedoch etwas Eignes geschaffen. Ross und ich nennen diesen Eatbrain-Sound immer intern Slammin Drum & Bass. Weisst du was ich meine?

Bei dem klassischen Neurofunk von 2000 kommen mir auch ruhige Tracks wie „Bad Company – Colonies“ in den Sinn. Im Grunde wollten wir „Back To Our Roots“ und den „Classic Neurofunk“ schreiben, produziert auf einem 2020 Niveau.

Aber auch Liquid war in unseren Anfängen als Hörer und Produzenten von Bedeutung, von daher fühlt es sich auch natürlich an mit z.B. Liquicity zusammenzuarbeiten.

Was viele noch nicht wissen, neben der Öffnung der Musik, unterstützen wir die Drum & Bass-Step-Szene. Eine kleine, feine Szene von engagierten Steppern, die das Potenzial hat weiter zu wachsen. Drum & Bass ist eine Kultur mit vielen Facetten, es begeistert mich zu sehen, wenn Menschen auf Zombie Cats Musik steppen und richtig Spaß haben.

Im Dezember kommt das “Mutation”-Album von Euch. Auf welchem Label erscheint es und wie lang sitzt es bereits in euren Köpfen?

Das Album spiegelt die aktuelle Entwicklung von Zombie Cats wider. Es ist sehr facettenreich. Die Idee ist bereits schon vor 2 Jahren entstanden. Wie bereits oben beschrieben, arbeiten wir mit Grundideen & Clips und vervollständigen manche Entwürfe erst zu einem späteren Zeitpunkt. Es gibt Ideen vor dem „Reboot in 2019“ und natürlich aus 2020.
Zum aktuellen Zeitpunkt macht es Sinn das Album selbst rauszubringen. Einige Labels haben konkrete Soundvorstellungen oder sogar einen eigenen Grafiker, der dem Werk einen labeltypischen Look gibt. Das ist auch super, jedoch passt es nicht zu unserer Vision. Der Name des Albums passt zu dem Gehörten und unseren persönlichen Erfahrungen. Künstlerisch wollten wir auf allen Ebenen frei sein. Und daher sind wir beide sehr glücklich mit dem Gesamtwerk. Ein großes Kompliment ist, wenn jemand sagt: Ich habe mir das Album vom Anfang bis zum Ende durchgehört. Das ist eine Hörer-Kultur, die ich oft heutzutage vermisse, wenn es um Playlists bzw. Streams geht.

Beim Hören des Albums fiel mir auf, dass alles wesentlich fluffiger und “musikalischer” ist. Der bratzige Dancefloor-Ansatz ist wesentlich zurückgestellt und einem modernen und zeitgemässen Drum & Bass-Entwurf gewichen.

Dies ist natürlich schön zu hören! Wir versuchen sowohl dem alten als auch dem neu-erweiterten Stil treu zu bleiben und zeitgemäß zu klingen.
Durch das Album zieht sich ein roter Faden. Meines Erachtens spürt man, wenn eine Idee im Jahr 2018 entstand, wie zum Beispiel “Flava”. Die Grundidee des Tracks würde ich in den Slammin Drum & Bass Sound von Eatbrain einordnen. „Alien” hingegen ist der aktuellste Track und ist – zusammen mit “Always” – unsere Interpretation von dem klassischen Neurofunk / Tech Sound,
produziert mit der Technik von 2020.



Was kommt danach? Habt ihr noch Hunger nach mehr? Oder ist die wahrscheinlich sehr intensive Vor-Album-Phase erstmal auschlaggebend um jetzt mal locker zu machen? Oder seit ihr eher aus dem “Nach dem Album ist vor dem Album”-Holz geschnitzt?

Nach dem Album ist vor dem Album! Wir arbeiten bereits an der nächsten LP!

Haha, nice one! Sag mal, welche Tunes von anderen Artists reissen dich denn momentan mit (gerne Geheimtips im Neurofunk, Liquid oder weiteren Drum & Bass-Spielarten; müssen ja nicht unbedingt die offensichtlichen Sureshots sein). Hau mal drei Faves raus.

Geheimtipp: Cyntax (UK). Und auch richtig gut sind: Rohaan, Psynchro oder Freshney.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. Möchtet ihr zum Schluss noch etwas loswerden? Jetzt ist die Gelegenheit.

Checkt unser Debut-Album am 15. Dezember mit dem Namen: Zombie Cats – MUTATION. Bleibt alle gesund und munter! Cheerio.

SOCIALS:
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Kaiza

Owner @ T3K Recordings / Producer @ Instinkt, Humanon, Incorporate / Contributor @ Baesse.de

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