QZB & Hanna Noir – “Barcodes”
Kennt ihr das, wenn ihr bei einem Track zuerst denkt: „och ja, ganz nett“ und legt ihn zunächst beiseite. Um ihn dann jedes Mal, wenn der Rechner angeschmissen wird, wieder gezielt rauszusuchen und zu droppen? So ist’s mir widerfahren, dass hier vorliegender Onetracker sukzessive zu (m)einem persönlichen Hit wurde. Und damit verbunden sind gleich mehrere Umstände, die für das Reviewen einigermaßen ungewöhnlich sind. Die Single erschien schon im April (das Delay erklärt sich mit obig beschriebenem Reifungsprozess), es gibt kein offizielles Label dafür (offenbar self released by Hanna Noir) und ich glaube, ich habe noch nie zu einem einzelnen Track was geschrieben. Und dann auch noch über eine Vocalnummer. Viele Novitäten also. Nicht neu ist, dass Qbig und Zenith B nun schon acht Jahre als QZB zusammen Musik machen und inzwischen auf einem wahnsinnig clean-sharpen Level angekommen sind. Insofern beste Producer-Wahl seitens der Hamburgerin. Sie selbst weiß laut WWW seit Lockdown, auf welchen Sound sie hosten bzw. rappen möchte und so kommt es zu diesem echt guten Match hier. Die Bars bzw. vor allem deren Inhalt erinnern mich bisschen an die Welle deutschsprachiger Musik der nuller Jahre. Dabei unifizieren die steppenden Beats und der lasziv-gehauchte Sprechgesang zu einem solch guten Groove, dass daraus ein echter Ohrwurm wird, auch wenn so manches Wort zunächst etwas genuschelt anmutet. Aber das ist wohl Stilmittel, dieser entrückte, mitunter verstörte oder manchmal auch verwegene Gestus, aus dem man inzwischen vielleicht sogar ein Narrativ ableiten könnte. Es tut gut, mal richtig durch zu sein! Und jetzt wird darüber auch noch gerappt (und dann noch auf Deutsch!). Großartig. So wie der ganze Track, der leider nur knapp über zwei Minuten lang ist. Das ist aber auch das einzige Manko. Ansonsten inständige Liebe meinerseits! (Mtrc)
Release: 25.04.2025
Label: Self Released (Hanna Noir)
Katalognummer: –
Wertung: 9/10
Break – “Digital World Remixes”
Wo wir von Delay sprechen…zwei Jahre nach dem Erscheinen von Breaks Album „Digital World“ kommt nun das Remix-Album, natürlich auf dem hauseigenen Symmetry-Imprint. Bei der Sorgfalt, die Mr Bierman bei allem an den Tag legt, was mit Musik zu tun hat, ist das wohl eine ganz normale Zeitschiene für einen solchen Veröffentlichungsprozess. Das Album war aber auch zu gut, um da jetzt irgendwas halbgares hinzurotzen. Los geht’s mit einem Remix (einer von zwei eigenen Break-Remixen) von „Natural Way“ (feat. MC Fats, RIP!), im Original schon sehr gefühlvoll und hier noch mal um feine Pianohooks ergänzt, dazu die Beats noch catchiger und bristoliger. Rollers-Herz, wat willste mehr? Gehört auf jeden Fall zum meinem Favoritenkreis, derer auf diesem Release insgesamt drei Interpretationen angehören. Nummer zwei ist der Skeptical Remix von „Box Clever“ (feat. SP:MC) inklusive einer Bassline, die ich Skeptical ehrlich gesagt nicht zugetraut hätte. Brecher! Dritter Fav. ist der Mefjus-Remix von „Another Life“. Wie Break ist Mefjus einfach King, wenn auch auf anderem Felde. Der Remix unterstreicht jedoch mal wieder, dass seine Remixqualitäten denen seiner Solotracks in nichts nachstehen. Ultrabouncy und ich liebe diese leicht dissonant wirkenden Halbtöne zwischendrin, die ich zuletzt auch in Produktionen der Teddy Killerz ausmachen konnte. Mehr propere Remixe kommen u.a. von der Brasilien-Fraktion um Alibi und L-Side, die inzwischen wie selbstverständlich auf einem stark UK-lastigen Release auftauchen sowie von the mighty Calyx, für den der „Don´t You Ever Stop“-Track (inkl. Shoutout) wie prädestiniert zum Remixen scheint und er daraus ne darke, Metalheadz-eske Nummer macht. Erinnert mich irgendwie an seinen Tune „Don´t Say Nothing“, wo ich das erste Mal dachte: irgendwie finde ich die Musik von Calyx stärker, seitdem er wieder solo produziert. Aber pssst! (Mtrc)
Release: 16.03.2025
Label: Symmetry Recordings
Katalognummer: SYMMLP012
Wertung: 8/10
H_Man – ”Exile”
Neue Namen! Ich weiß nicht ob es der anhaltende Hype um unser aller Genre oder doch einfach nur der hilfsbereite Algorithmus ist, der dafür sorgt, dass ich ständig neue deutsche Namen vor die Review-Flinte bekomme, aber froh drum (und bass) bin ich nichtsdestotrotz! Zuerst hätten wir da Jena Jünger Hermann Stäps, der nicht nur bei The Longest Day die Gitarre schwingt, sondern als H_Man auch den Neurofunk prädigt. Seit 2023 liefert Hermann, meist auf der Plattenforma der Stonx’schen Gemeinde, feinstes Geschreddere ab, und wurde nebsther auch schon auf Abducted untergebracht und auf Bad Syntax‘ Podcast rauf-und-runtergespielt – und nun gibt’s die erste EP! Exile heißt das gute Stück, und liefert gleich drei frisch-fetzige Originale, mitsamt einer Instrumentalversion des Titeltracks für die Gesangshasser unter euch. Eröffnet wird das ganze mit Titeltrack „Exile“, das nicht nur wunderbar dramatische, scheinbar sogar selbst eingesungene Vocal-facetten, sondern auch super stylische Achtelnotenbässe und ordentliche Ohrwurmmelodien zu bieten hat. Dabei bleibt’s aber nicht, Hermann bietet weiterhin allerlei Grund zum Stäppen, mit den chaotischen Neurofunkstürmen und schmetternden Hardcore Untz-Untz’s auf „Awake“ und mehr Rufen-und-Antworten als bei einem Marco Polo Marathon auf „Gratitude“. Exiellent! (Lennart Hoffmann)
Release: 20.06.25
Label: Stonx Music
Katalognummer: STX055
Wertung: 9/10
Daniel Slam – ”Phase Shift”
Von Jena springen wir nun ein paar hundert Kilometer gen Westen, in’s kleine aber feine Hemer, wo Daniel Böttner seit 2010 sein musikalisches Unwesen treibt. Inspiriert und beeinflusst durch die elterliche Liebe zur Disko-Musik, kam er dann irgendwann auf die Idee, selbst in den Housebau einzusteigen. Mit der Erstveröffentlichung „No Soul“ mit Andrew Spencer auf Kontor, mitsamt Musikvideo und mehrmonatiger Spitzenreiterposition auf den Dance Charts von VIVA (remember?), hat Daniel einen wahren Blitzstart hingelegt, und seit dem gab’s auf Labels wie Mental Madness, Sugaspin, Clubstar, Housesession und Seveneves alles was nicht bei drei auf den Bäumen saß: Dubstep, House, Funky Grooves, Poppy Vibes – und so weiter! Und so fort! Für uns natürlich das Spannende dann: Ab 2024 kam dann endlich auch der DnB hinzu. „Vibing“ war der erste den ich finden konnte, aber seit „Hot Weather“ Anfang des Jahres macht Herr D.B. seinem Namen wahrhaft regelmäßig alle Ehre. Sinnbildlich für diese Ansammlung an Danielschen Slammern, hab ich mir hier einen seiner neusten, „Phase Shift“, rausgesucht. Spaßig entspannt instrumentalisiert lässt er uns sanft in diese seine zwei-ein-halb-Minuten Welt hereinspazieren, feuert dann aber auch sogleich ein wahres Feuerwerk aus gehirnmassierenden Synthakkorden, freudigsten Melodeien und klatschenden Snares ab – kann’s echt nur empfehlen! (Lennart Hoffmann)
Release: 27.06.25
Label: Selfreleased
Katalognummer: /
Wertung: 8.5/10
SMAX – ”POP POP POP”
Den hier hatte ich nicht mal geplant zu featuren, aber Spotify Autoplay hat ihn beim Schreiben der oberen Review plötzlich untergejubelt und als ich dann in der Bio sah, dass es sich um einen weiteren Schlandianer handelt, dachte ich, das ist doch Schicksal! Aus Fahrrad- und Studentenstadt Münster heraus, hat Alexander Siemens, der Sie-Mensch hinter der grün-lilanen Froschfassade, seit März diesen Jahres nicht nur akribisch an amphibischen Ausarbeitungen eigener Art, sondern auch an Neuinterkrötationen von Charli XCX, Eliminate, Lady Gaga und sogar K.I.Z gefeilt, und wieder einmal repräsentativ für diesen Überschwall an Bangern, hier einfach mal der allererste seiner Tunes: „POP POP POP“. Leicht übersteuerte aber umso mehr im Kopf bleibende tituläre Vocals, Dancefloor-Rhythmiken, die sich sehen lassen können, und Basswalzen, die auch den direkt vor der Anlage hausenden Club-Zombies Grund zur Freude geben sollten – sick! (Lennart Hoffmann)
Release: 16.03.25
Label: Selfreleased
Katalognummer: /
Wertung: 8/10
Dub Ten – ”Backstabbed EP”
Zwar nicht Deutsch, aber zumindest Deutschsprachig, geht’s weiter mit dem Österreicher Gabriel Kirchebner, besser bekannt als Dub Ten! Ich hätte schwören können, dass ich den Dub Wörgl-er schon mal hier angepriesen hatte, aber nach „Dub“ suchen hat leider wenig gefruchtet, also fang ich sicherheitshalber mal von vorne an. Vor ein wenig mehr als 2 Jahren, im Februar 2023, gab Gabriel sein grandioses musikalisches Debüt bei den guten Jungs von Empathy Audio, und seit dem gibt’s einfach kein Halten mehr. Zwei weitere EPs auf Empathy, und jeweils eine auf den Overview und Flexout Geschwisterlabels DOMAIN und XOU, One-offs auf Yamatai, Stellar, Dispatch und noch mal Yamatai, Kollaborationen sowohl mit Landsmännern Apollo, Vortex, Acris, con:volute und Geostatic, als auch mit Yamatai-Jüngling Rue, und Remixe für Puzzle und Telm & Wilson. Puh. Mit dem neuesten Yamatai Abenteuer, der „Backstabbed“ EP, wird nicht nur dieses bereits wunderbare Repertoire an Namen um so einige Einträge erweitert, der Gabriel haut hier auch einfach mal ein paar seiner (bisher) besten Stücke raus. Ob nun Titel- und alleinigen Solotrack „Backstabbed“, dessen zutiefst drückender Bass und scharfklingige Drums mich immer wieder um’s Neue erheitern, der erstklassig betitelte „Bombodub“ mit den finnischen Telm & Wilson Jungs, dessen klatschend-donnernder Groove und Bassface-hervorrufender zweiter Drop einfach herrlich ist, der Rosenheim Roller „Shrinkwrap“ mit Re:growth, dessen wubbende und dubbende niedrige Frequenzen perfekt in den reißenden Bach aus Drumpatterns passen, oder das MC-geführte Finale „The Human Race“ mit Freddy B, das nicht nur mit, wie immer, exzellenten Zeilen von Herrn B glänzt, sondern auch mit der immer weiter entwickelnde Reise durch’s düsterste DnB Dickicht überzeugt – super Musik gibt’s hier echt zu Hauf. Lieb’s! (Lennart Hoffmann)
Release: 27.06.25
Label: Yamatai Records
Katalognummer: YAMREC044
Wertung: 9/10
Sinister Souls – ”Triad EP”
Zu guter Letzt, noch mal was von unseren niederländischen Nachbarn: Sinister Souls haben ’ne neue EP draußen! Genauer gesagt, *hat*. Aber von vorne. 2009 gegründet von Utrecht’schen Freunden Fred Huurdeman und Adriaan de Koning, ist das Sinister Souls Projekt nach einigen Jahren Dubstep-Anfängen letztlich doch beim DnB gelandet. Fanden sie, und vor allem der Fruity Loops versessene Fred, eh schon immer viel besser, sie haben’s vorher wohl nur einfach nicht produziert bekommen. Seit dem? Zahlreiche Klassiker, Unmengen an Beatport Chart-Toppern, ohne Ende Auftritte bei den üblichen Festivals, und sogar auch bei Hardcore Events wie Q-Base und Qore 3.0. 2018 war es dann soweit, und Adriaan hat sich aus dem Musikbusiness in die Regie verabschiedet, aber davon hat sich Fred kein Stückchen abhalten lassen. Zwar hat er auch nebenher allerlei anderes ausprobiert, mit seinem Hardcoreprojekt Xaturate und seinem Synthwave Alias Arpitect, aber als singulärer Seelenmann konnte Fred, heutzutage Meijer, auf Labels wie PRSPCT, Othercide, und eben auch auf dem Kölschen Neurofunkschauplatz Hanzom Music trotzdem weiterhin regelmäßig seine sinisterere Seite präsentieren. Der neueste Streich und der Grund weshalb ich euch das alles erzähle, das Dreiergespann „Triad“ auf ebenjenem westdeutschen Tonträgertanzverband, eröffnet das Gefecht auch sogleich mit dem sagenumwobenen Hanzom Häuptling Badlokk himself, auf dem unermüdlich stampfenden, aufbrausend umherflitzenden „Shimmer“. Daraufhin setzt er sich auf „Charged“ mit dem nun ebenfalls vereinsamten Briten Nick von Kaizen Flow zusammen, um mal eben so einen der fetzigsten, heftigsten und am brilliantesten inszenierten Banger des Sommers abzuliefern, bevor er schlussendlich mit Melodeienschmied Myselor auf dem auditiven Abenteuer „Astral“ nicht nur atmosphärische Glanzleistungen abliefert, sondern auch so einiges zum Abdancen zur Schau stellt. Großartig! (Lennart Hoffmann)
Release: 20.06.25
Label: Hanzom Music
Katalognummer: H078
Wertung: 9.5/10
![Reviews [Juli 2025]](https://www.baesse.de/wp-content/uploads/2021/01/reviews-07-jul_yellow-768x439.jpg)
