Mndscp – “The Cult Of Bass LP”
Rein regional betrachtet könnte man bestimmt in einem Dutzend Länder Protagonisten finden, die bereits technoiden Drum and Bass gemacht haben, als es den Begriff Neurofunk noch nicht gab bzw. er noch nicht für klare Verhältnisse auf allen Seiten sorgte. Interessant, dass Mindscape zu Beginn ein Trio darstellte, wobei Gergely meines Erachtens nach schon vor seiner Namensverkürzung bereits seit geraumer Zeit als Solokünstler tourte und mutmaßlich auch produzierte. Nun legt er ein Album vor und verleiht damit den von mir obig umrissenen Umständen deutlichen Nachdruck. Auf den ersten Eindruck hin schlägt die LP vor allem eine Brücke zwischen dem vormals noch etwas diffuseren Pre-Neurofunk und der gegenwärtigen, wesentlich differenzierteren Stilistik dieses Subgenres. Seine langjährige Erfahrung, die Entwicklung des eigenen Trademarks sowie die fruchtbare Umgebung des Eatbrain-Umfelds kommen ihm dabei zu Gute und er liefert mit Bravour ab. Unangefochtener Killer der LP für mich ist „3-2-1“, der kein klassischer Neurotrack ist. Ganz im Gegenteil. Die Mischung aus Ram Records-Gedächtnis-Hit, mit kontemporärem Tech-Beat im Buildup, oszillierender Schleifmaschinen-Bassline sowie derben Acid-Stabs ist einfach göttlich. Der rockt alles weg. Davon abgesehen sind klassische Stepper-Nummern in der Überzahl. Vor allem der Opener „Mirage“ und „Non Stop“ haben es mir durch ihre Techno-Ästhetik mittels Synths angetan. In eine ähnlich Kategorie wie „3-2-1“ fallen dagegen die Tracks „Pins and Needles“ und „In The Zone“ (feat. Miss Trouble), erreichen jedoch nicht dessen Power. Zum Ende frage ich mich etwas, wo die Huldigung des Basses nun ist, welche der Titel verhieß. Und da kommt dann mit Titel 15 der namensgebende Track und dessen Bassline geht tatsächlich noch mal in die U2-Etage. Lieber Gergely, Konzept verstanden und doch bleibt für mich vom Album vor allem jener Leuchtturm-Track, an dem sich die übrigen (leider) messen lassen müssen. Damit müssen wir nun beide leben. Den kultivierten Bass wirst du uns weiterhin in unterschiedlicher Manier liefern, da bin ich mir sicher! (Mtrc)
Release: 04.05.2026
Label: Eatbrain
Katalognummer: EATBRAINLP019
Wertung: 8/10
CrucifyMe – “Coloured Starshow EP”
Leute, wir müssen mal eine Lanze für die ukrainischen Artists brechen. Sicher, krisenhafte Umstände bringen Menschen dazu, besonders kreativ zu sein, da sich bedrohliche Situationen schließlich stündlich oder noch schneller ändern können. Vielleicht kommt daher auch der Künstlername. Frei nach dem Motto: wenn mich einer schlägt, halte ich ihm auch die andere Wange hin. Jedenfalls: was CrucifyMe seit circa fünf Jahren raushaut, sucht seinesgleichen! Und damit meine ich nicht nur die Qualität und Quantität, sondern insbesondere auch die Bandbreite. In Sachen Labels waren da bislang u.a. dabei: Lizplay, T3K, Delta9, Grid, Hanzom, Soulvent, Sinful Maze und nun eben Evolution Chamber – also intraindividuell gesehen konnte es unterschiedlicher kaum laufen. Oder zeigt mir einen Artist, der vielseitiger ist?! Mir persönlich gefällt auch der Umstand, wenn sich der Producer an den Sound des Labels anpasst und nicht umgekehrt. Insofern konnte man bei hier vorliegender EP auf Evolution Chamber eine durchaus härtere Gangart erwarten. Tatsächlich ist der Sound nicht sehr weit weg vom Post-Neurofunk jener Imprints, die obig teilweise bereits erwähnt wurden. Gleich der Opener „Bigfoot“ untermauert dies und gereicht wird ein high-pitched-Snare-Stepper, geraspelt auf bösen Reese-Basslines und garniert mit gelasertem Zuckerguss. „Bigfoot“ – das ist big! Der Titeltrack „Coloured Starshow“ im Anschluss macht dann mehr auf Acid und ist eher Kategorie: „Eingroover“ – gar nicht mal so der stärkste Song des Releases. Next up ist „Crook“: der Synth ist hier eher wonky unterwegs und die Drums sind clappiger. Was für Nerds! Dann „Gaijin“, was auf japanisch so viel wie „Außenstehender“ oder „Fremder“ heißt. Dieser Track mit seiner melodiöseren Jacke wäre es, wenn zwischendurch nicht doch wieder härtere Drums bratzen würden. „Nyx“ ist ist dann ähnlicher Natur wie der Titeltrack, bisschen stoischer vielleicht. Den Abschluss macht „Restless“. Der drückt noch mal auf die Tube, legt den Fokus stärker auf Drums und die Bassline ist voll am Shufflen. Schiebt! Wie die ganze EP, zugegeben. Das ist Mainfloor- und Maintime-Futter par excellence. Chapeau CrucifyMe! (Mtrc)
Release: 08.05.2026
Label: Evolution Chamber
Katalognummer: EVOC091
Wertung: 9/10
Mofes – “Same Dub Different EP”
So langsam muss ich mich ja entschuldigen, dass ich hier ständig Neksus-Releases reviewe.
Man könnte mir da inzwischen locker Befangenheit oder fehlende Neutralität unterstellen. Doch da das hier alles selbst und frei gewählt ist, bin ich mindestens von jetzt an aufmerksam, ob sich da bereits ein Automatismus eingeschlichen hat. Wenn jedoch Mofes nach einigen Jahren Verschwindens von der Bildfläche plötzlich wieder auftaucht und auch noch so abliefert, muss ich ihm einfach ein paar Zeilen widmen. Passenderweise impliziert der Titel „Same Dub Different EP“ so ein bisschen die Anknüpfung an den Sound, den man von ihm im Hinterkopf behalten hat: minimalistisch, frickelig, edgy, Tetris-esk – reichen diese Attribute? Der Opener „Blender“ ist schon mal all das und noch mehr. Nämlich auch noch verträumt, funky und wild – alles zugleich! Passenderweise scheint es Mofes null zu scheren, dass der Drop bei der untypischen Zeit von 57sek einsetzt. Und der genialste Sound ist der Delay auf dem vierten Synth-Stab. Es folgt „Dark Days“ unter Einsatz von MC Haribo – ob er sich heute immer noch so nennen würde? Auf jeden Fall wird hier starker Acid-Tobak angerührt. Wenn da nicht diese Latino-Melo wäre, die im Hintergrund doch wieder den Funk zusetzt. Im letzten Quartal wird das dann auch noch auf Dubstep gemünzt. „Call Declined“ ist wiederum steriler, spezialisiert sich auf die Sound-Sezierung und hat den Schwerpunkt somit in der Perkussion. „Hyperboost“ macht den Abschluss und auch hier vehikelt genau ein Sound den Track zur funkigen Genialität, nämlich dieser rotierende Helikopter-Synth. Zum Schluss gibt´s sogar noch 50sek 4/4-Beat. Ein Release, dessen funkige Wirkung vielleicht zunächst gar nicht als oberstes Ziel ausgegeben wurde; sich dies womöglich erst im Schaffensprozess ergab und sie so durchaus auch als „Blender EP“ durchgegangen wäre. Es kam anders, aber wunderprächtig, dass es überhaupt kam. Welcome back, Mofes! (Mtrc)
Release: 17.04.2026
Label: Neksus Sound
Katalognummer: NEX082
Wertung: 10/10
Task Horizon – “Respawned”
Viele wissen bestimmt gar nicht, dass die sympathische Combo um Task Horizon gefühlt schon ewig am Start ist. Auch sie haben ein kleines Gap zwischendurch gehabt, um, so mutmaße ich, sich hinterher volldigital neu aufzustellen. Und das in allen Bereichen. 2019 gründete man Evolution Chamber und betreibt es in Kooperation mit Magnetude und Receptor. Eine klare Soundausrichtung inklusive also. Die Reputation, Glaubwürdigkeit und Integrität zahlt sich aus, denn für das vorliegende Remix-Album konnten so einige Schwergewichte gewonnen werden. Dazu muss ich sagen, dass ich in meiner Strenge den noch nirgends zuvor releasten Tracks mehr Aufmerksamkeit gebe. Und so hat es z.B. der Slwdwn Remix von „Mindfragger“ in die Top 3 geschafft – geschafft hat er es auch, den Drop genau in der Hälfte der Spielzeit des Titels zu bringen. Also für Freunde des kulminierenden Spannungsaufbaus: das ist eure Waffe! Platz 2 geht an die eigene VIP von „Brace For Transit“ – eine hektische Timewarp-eske Nummer, die durch das clevere Wechselspiel von Melo, Synth und Perkussion einen unnachahmlich zwingenden Funk erzeugt. Wo wir beim Rotationssound von Timewarp sind: den „Rogue Transmission Remix“ von Receptor wähle ich jetzt mal random als Platz 3: einfach weil ab vom Mainstream-Schuss, irgendwie minimal, trancy, erinnert beinahe an die Soundscapes von Goa bzw. Psy. Fairerweise hätte hier jeder andere Remix von Koryphäen wie Audio, Burr Oak, Phace, Malux oder oder stehen können. Sie alle interpretieren die Vorlagen auf ihre Weise und untermauern damit einmal mehr den Trademark-Sound, für den sie jeweils stehen. Für das Album konnte dies nur ein Gewinn sein, denn nun kann der Konsument entscheiden, welche Versionen ihn bzw. sie am meisten berühren. Qualitativ fällt da nix ab. Das würde mutmaßlich auch dem Labelethos widersprechen! (Mtrc)
Release: 17.04.2026
Label: Evolution Chamber
Katalognummer: EVOC089
Wertung: 9/10
![Reviews [Juni 2026]](https://www.baesse.de/wp-content/uploads/2020/06/reviews-06-jun_blue-768x439.jpg)
