Forbidden Society – “Lonely Road: Alternate Routes”
Forbidden Society ist ein Glückspilz! Den Faden nehme ich gleich wieder auf, nur Geduld.
Zunächst muss man vielleicht konstatieren, dass Jindrich einer der ersten DnB-Artists aus CZ war, der auch überregional wahrgenommen wurde. Es gab eine Zeit, da ist er gefühlt genauso oft in unseren Breiten aufgetreten, wie in der heimischen Republik – und auch darüber hinaus (bis nach Japan!). Der Sprung in den Maincircus des DnB blieb ihm indes bislang verwährt. Zugegeben, ich habe äußerst selten Tracks von ihm in DJ-Sets von KollegInnen gesehen bzw. gehört. Sein Style: eher roh, etwas hölzern, rotzig. Und doch scheinen die Ex-Noisia-Jungs in seinem Sound etwas gehört zu haben. Etwas besonderes, was ihn zu einer Art ungeschliffenem Diamanten erhob. Zumindest bekam er regelmäßige Plays bei Vision Radio – und, mutmaßlich dem eigentümlichen Style sei Dank – das Signing bei Vision Recordings! Allerdings erschien das Remix-Album dort nicht etwa unter dem Namen „Lonely Road: Remixed“, sondern als „Lonely Road: Alternate Routes“, also sinngemäß: welche Wege kann es noch geben, meinen ureigenen Sound zu interpretieren?! Den Namen und den Gedankengang dahinter finde ich schon mal äußerst charmant! Genau drei Remixe haben es mir besonders angetan. Zuvörderst das Acid-Filter-Feuerwerk von Enta. Ich wüsste nicht, welcher Producer ein derartiges Fegefeuer in Sachen layered Synths derzeit besser machen könnte. Da ist er der Mann der Stunde! Hierfür Gold! Fast genauso gut ist der Remix von Vici. Als Remixer ebenfalls fast unschlagbar und hier weniger auf Neuropfaden, als mehr auf einem kneippschen Barfußsteig unterwegs. Sehr aufgeräumter, cleaner und doch einschlagender Remix! Favorit 3 ist eine stabby-distorted-Reinterpretation von dem mir bis dato unbekannten Sheruan („Picture Of Us Remix“), dessen Version sich total nach Trinist anhört. Letzterer hat sich jedoch mit „Reaching Zero“ ein anderes Original gewählt. Am Ende sind die Namen ja auch wieder Rauch und Schall, Hauptsache ist der Gehörschwall! Weitere lohnenswerte Remixe kommen u.a. von Chaser; Agressor Bunx und Burr Oak (beide jeweils diesmal überraschend gemäßigt) sowie Azumai, Host und dj Ride. Abgerundet wird das Projekt von zwei eigenen VIPs, die Jindrich fertigte und ehrlich gesagt auch stark nach ihm klingen. Dennoch: koole Nummer mit viel Chuzpe und einer richtig schönen Bandbreite zwischen rotzdreckigem und Staubtuch-sauberem Trommelbass – frei nach jedermanns Gusto! (Mtrc)
Release: 17.07.2026
Label: Vision Recordings
Katalognummer: VSN180
Wertung: 9/10
Merikan – “Nightreign LP”
Bella Italia ist nach wie vor nun nicht unbedingt über die Maßen stark auf der DnB-Landkarte vertreten. Eingefallen sind mir zunächst vor allem Producer, um die es ruhiger geworden ist oder die beinahe in Gänze von der Bildfläche verschwanden, als da wären: Inward, Hanzo & Randie; Maztek oder Hallucinator. Komischerweise scheint sich die Stilfrage diametral zu beantworten, denn man sagt sich offenbar: schönes Wetter haben wir meist, also machen wir böse, dreckige, harte Beats. Und da ist Merikan derzeit Aktivposten und Aushängeschild des Landes. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber mindestens seit Anfang des Jahres ist seine Labelheimat Blackout, wo nun auch folgerichtig sein Debütalbum erschien. Dies benötigte drei Jahre Schaffenszeit und ist eine der LPs, wo man die darin steckende Arbeit womöglich erst nach genauem Hinhören erkennt. Also: nehmt euch die Zeit, es gibt einiges zu entdecken! Vorweg: es scheppert, bratzt und reeced ordentlich im Gebälk. Für Freunde des gepflegten Mindfucks also genau das Richtige! Mein Favorit ist ausgerechnet der letzte Song des Albums „Helium 3“, welcher mit Landsmann Disprove entstand. Ich denke, es ist dieses Staccato-eske-maschinistische Drumming, was mich catcht. Das Ding läuft wie ein Uhrwerk – und dabei immer voll auffe Zwölf! Tatsächlich findet sich der Machine-Gun-Approach der LP in einigen Tracks wieder, so z.B. bei „Gjallhorn“, „Decay“, Interlock (feat. Audio) oder „Boss Fight“ (feat. Gancher & Ruin). Wer es mit mehr Subbass hält, kommt mit „Snarling Wolf“; das an Produktionen von Mndscp erinnernde „Cold Blooded“; „Ragnarok“ oder dem Drop-herauszögernden „Reaper“ auf seine Kosten. Festzustellen bleibt: es ist schon ein sehr lautes Album; auf die Sparte gesehen sicher top produziert, aber auch ein bisschen Kräfte zehrend, es zu hören bzw. sich damit zu beschäftigen. Merikan, du hast mich mit der LP gut beherrscht und ich ergebe mich hiermit. Miau! (Mtrc)
Release: 05.06.2026
Label: Blackout Music NL
Katalognummer: BLCKTNL211
Wertung: 9/10
Paimon – “Anamnesis EP”
Es wissen möglicherweise viele nicht, aber vor der Gründung der Teddy Killerz haben die beiden talentierten Producer Place 2b und Paimon die Szene mit ihren frühen Produktionen bereits gut frequentiert. Und wie so oft scheint man sich im gemeinsamen Schaffensprozess zwischendurch seiner Roots zu besinnen und nimmt sich bei erreichtem Standing das Recht heraus, auch mal wieder was unter seinem ursprünglichen Namen solo zu veröffentlichen. Im Falle hier vorliegender EP von Paimon wirkt es tatsächlich wie eine Befreiung von Genregrenzen. Jeder Track hat seinen eigenen Gusto. Los geht’s mit „Souls Walk In“, was in seinem Maintime-Ansatz am ehesten noch an die Produktionen der Teddy Killerz erinnert; Screwdriver-Bassline inklusive! Es folgt „My Flow“ mit Renegade Hardware-Gedächtnis-Beat und darüber schöner Acid-Synth-Work. „One Hit“ im Anschluss erinnert an Veröffentlichungen auf Neksus und ist somit voll mein Ding. In die shuffled Synths lege ich mich gern hinein, das wisst ihr ja. Für mich ist das ja so etwas wie die Weiterentwicklung der inzwischen doch arg ausgelutschten Wobbles. „Coming Down“ ist dann eine versöhnliche, solide Vocalnummer, zu der es nicht viel mehr zu sagen gibt. Den Abschluss macht „Callin’Me“ und das ist so was wie die Fortsetzung von Track 3 („One Hit“), also noch mal Minimal-Business mit Sägezahn-Basslines galore. Ich lieb’s – und freue mich auf ein hoffentlich zukünftiges Release auf Neksus. Trotz alledem bleibt zu konstatieren, dass Paimon mit diesem 5-Tracker eine krasse Bandbreite abbildet. Und Chapeau auch an Eatbrain, dass sie das zugelassen und es genauso veröffentlicht haben. Ich verneige mich! (Mtrc)
Release: 27.07.2026
Label: Eatbrain
Katalognummer: EATBRAIN 238
Wertung: 9/10
![Reviews [August 2026]](https://www.baesse.de/wp-content/uploads/2021/01/reviews-08-aug_green-768x439.jpg)
