Kabuki

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Wie sieht ein Tag im Leben eines Kabuki aus?
Eigentlich ist jeder Tag bei mir anders, abhängig davon ob ich in meinem eigenen Studio arbeite, beim Abbey Road Institute bin oder zu einem Gig oder zu einer Session fahre. Ich starte gerne ohne Hektik und nehme mir eine halbe Stunde Zeit nur für mich, ohne das Handy zu checken oder Mails zu lesen.

Du bist des öfteren in den Abbey Road Studios. Nutzt du dieses Studio nur um Kurse zu geben, oder bist du dort um deine eigenen Produktionen den Feinschliff zu geben?
Ich unterrichte im Abbey Road Institute unter anderem Klangsynthese, habe darüber hinaus aber auch die Möglichkeit die Studios nach dem Schulbetrieb zu nutzen. So konnte ich z.B. die Rodinia EP komplett auf einem SSL 4000 Pult abmischen, oder aber Drums für eine neue Produktion mit Vintage Mikrofonen in einem tollen Raum aufnehmen. Das eröffnet einem natürlich ganz neue Möglichkeiten!

Du veranstaltest zusammen mit Darren [DBridge], die Eventreihe New Forms. Was ist der Hintergrund dieser Veranstaltung und wie kam es dazu, zusammen mit DBridge eine Veranstaltungsreihe aufzubauen?
Darren und ich kennen uns schon seit 20 Jahren. 1997 gab es mal eine Kollaboration zwischen Future Forces und Makai, und seitdem sind wir immer in Kontakt geblieben. Der Gedanke für New Forms entstand bei der Red Bull Music Academy in Tokyo, wo wir uns bei einer Show von Mala über den Weg liefen. Die Zeit war einfach reif dafür ein Event zu entwickeln, das die Brücke zwischen Studio und Club schlägt. Jetzt haben wir erfolgreich die erste Saison in Berlin beendet und planen Season 2 in einer anderen Stadt mit einem neuen Konzept.

Welche Ziele verfolgst Du?
Mir ist es wichtig, mit jedem Projekt auch etwas Neues zu lernen und so meinen Horizont zu erweitern.
Wie Duke Ellington gesagt hat: „What I do tomorrow will be the best thing I’ve ever done“.

Was sind deine kommenden Projekte ?
Demnächst kommt eine 4-Track EP von mir raus bei der ich mit so unterschiedlichen Künstlern wie TT the Artist, NGHT DRPS, MC Fox und Homesick kollaboriert habe. Das Tempo variiert von 140 BPM bis 170 BPM, genau so wie bei meinen DJ Sets. Für den Track „Mad“ mit TT the Artist haben wir auch ein cooles Video in Baltimore gedreht.

Wie sieht es mit dem Label Precision aus? Gibt es weitere Pläne bzw. gibt es dieses Label noch?
Precision haben wir mit der Katalognummer 25 eingestellt. Wir hatten alles gesagt was es von unserer Seite zu diesem Sound zu sagen gab, und es war an der Zeit die Energie in neue Projekte zu investieren.

BREAK: The legendary drum’n’bass tune by MAKAI (Mainframe+Kabuki), feat. the „Ghost In The Shell“ sample „Making of Cyborg“ – released 1998.

Wie gestaltet sich die Arbeit im Studio? Produzierst Du mit analogen Geräten oder ausschließlich nur mit digitalen Medien? und vor allen Dingen, wie gehst du vor?
Ich habe über die Jahre viel Vintage Equipment gesammelt, das man auf fast allen Produktionen von mir hören kann: ein Minimoog von 1979, ein Roland CR-78 Drumcomputer, Tape Delay, Federhall, Studer Mischer und noch vieles mehr. Es ist sehr inspirierend wenn man mit beiden Händen gleichzeitig an Reglern drehen kann und nicht nur Pixel auf dem Bildschirm mit der Maus verschiebt. Jedes Gerät hat auch seinen eigenen Charakter, den man mit der Zeit zu schätzen lernt.

Gibt es Künstler die dich inspirieren?
Jede Menge! Aktuell höre ich wieder viel Musik aus der LA Beat Szene wie Thundercat oder Flylo.
Außerdem läuft gerade David Axelrod in Dauerrotation auf meinem iPhone. Darüber hinaus ist und bleibt Reggae eine meiner größten Inspirationsquellen, die ich immer höre und studiere.

Wie ist Deine Meinung zum heutigen Mainstream im Drum & Bass?
Es gibt Labels die ich immer checke (V, Soul;R oder Critical) und ansonsten folge ich den Künstlern die ich mag. Das sind dann aber eher selten Sachen die in den Top 10 Beatport Charts auftauchen. Ich freue mich aber natürlich wenn Künstler aus dem Drum & Bass-Universum auch kommerziell erfolgreich sind.

Wieviel Zeit investierst du in der Woche fürs produzieren?
Das kommt immer darauf an wie sehr ich in Admin-Kram eingespannt bin.
Ich versuche gegen 10:00 im Studio zu sein und dort dann bis 17:00 Musik zu machen so oft es geht.

Produzierst du ausschließlich Drum & Bass oder Electronica Tunes, oder arbeitest du auch für andere Firmen und entwirfst z.b. Werbesongs?
Auftragsmusik produziere ich gar nicht. Neben meinen eigenen Produktionen mische ich in letzter Zeit aber hin und wieder Musik für befreundete Musiker. „Einhundert“ und „Lass Laufen“ von Megaloh habe ich zum Beispiel gemischt und gemastert. Das hat echt Spaß gemacht, weil ich ein riesiger Fan von Mega und Ghanaian Stallion bin. Ich muss die Musik immer fühlen, ansonsten kommt da unter dem Strich nichts vernünftiges bei raus.

BREAK: Kabuki @ Boiler Room Berlin

Wie stehst du zu dem splitting der Drum & Bass Szene in Deutschland was die unterschiedlichen Styles (z.B. Neurofunk, Jumpup, Experimental usw.) angeht?
Ich denke das es schon immer diese Schubladen gab was Produzenten und ihren Sound angeht. Man muss schließlich für irgend etwas stehen. Was DJing angeht wäre es für mich aber zu langeweilig den ganzen Abend über nur einen Sound zu spielen, ich finde da sollte schon immer Abwechslung geboten werden.

Wie würdest Du deinen eigenen Stil beschreiben?
High Tech Soul.

Wie siehst du deine Identität als Produzent?
Ich habe lange versucht meine verschiedenen Einflüsse unter einen Hut zu kriegen.
Irgendwann dachte ich mir dann aber ich lasse mich lieber davon leiten ob mein Herz für die Sache schlägt, denn dann ist sie auch ein Teil von mir. Ob man das dann Hip Hop oder Jungle oder Footwork oder Grime nennt ist ein anderes Thema. Ich sehe da mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Was war der ausschlaggebende Grund dafür, dass du mit dem Produzieren angefangen hast?
Mich hat es schon immer fasziniert das man als Künstler etwas erschaffen kann was vorher noch nicht da war.
Ein Maler hat eine Leinwand, Farbe, und plötzlich wird da ein Gemälde draus. Mit der Musik ist das ähnlich, und oft habe ich einen kompletten Track im Kopf und muss ihn dann lediglich im Studio umsetzen.
Das sind die schönsten Momente, die mich immer wieder dazu antreiben etwas Neues zu probieren.

Welche Musik hörst du privat, neben Drum & Bass?
Ich liebe Musik mit Spirit, bei der man hört das es dem Musiker darum ging etwas auszudrücken.
Soul, Jazz und Reggae ist die Foundation. Darauf bauen für mich alle modernen Genres wie Hip Hop oder eben auch Jungle auf.

Das Baesse.de-Team bedankt sich bei dir Jan, für dieses ausführliche Interview. Wir wünschen Dir für Deinen weiteren Weg weiterhin nur das Beste und viel Erfolg.

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