Release reviews (Juni 2017)

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Auch im Juni hat sich unser externer Redakteur Kaiza wieder zur Aufgabe gemacht, 7 Perlen aus dem Drum & Bass Universum heraus zu picken, um diese kritisch zu durchleuchten. Von harten Neuro bis zu Liquiden klängen ist diesen Monat alles dabei. Das gesamte Baesse.de-Team wünscht viel Spaß beim lesen…

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Dorian-„Ritual EP“ (MFR089EP)
Dorian ist schlicht und ergreifend eine Bank. Der Österreicher mit dem UK Sound weiß was er tut und wird deshalb auch von einigen sehr bekannten Inselbewohnern protegiert. Wenn deine Tracks von DJ Hype oder Heist gespielt werden, dann hast du bisele was richtig gemacht, oder? Seine aktuelle EP auf Mainframe ist supersauber und vor allem „Breeze“ greift mich. Der Titeltrack „Ritual“ ist ein Knochenbrecher vor dem Herrn und auch „Hypnos“ und „Worlds“ zeigen Dorians Möglichkeiten abseits des Jump Up. DAS ist Jungle.
7 von 10


Bungle-„Cocooned EP“ (31RS025)
Bungle ist auch zu arg. Bei dem weiss man nie was kommt. Aber Qualität gibts immer. Die aktuelle EP auf Doc Scotts 31 Recordings jedenfalls ist ein Skill-Manifest allerersten Ranges. Die Tracks sind unglaublich vielseitig. Die Basshook in „Impulse“ ist von einem anderen Stern. „Distance“ ist einfach mal ganz anders gedacht und dabei so tief. Der Mixdown von „Eclipse“ und insbesondere die Kombo aus Drums und Lead ist der Brüller. Den Vogel aber schiesst der Brasilianer mit „Cocooned“ ab. Wieviel Funk kann man in einen Track reinpacken. Da stimmt alles. Unfasslich!
9 von 10


Addiction & Villem-„Makes Me Feel Fine / Someone Somebody“ (LV063)
Addiction war eines der Zugpferde von Fabios Label Creative Source und verschwand dann irgendwie in der Versenkung. War schade. Jetzt kommt er aus dem Nichts zurück und macht dann noch gemeinsame Sache mit Villem, einem der talentiertesten und technisch krassesten Produzenten den der DNB-Zirkus zu bieten hat. Der olle Bryan G und sein Liquid V-Imprint fahren hier Referenzstoff auf. „Makes Me Feel Fine“ ist weit mehr als Liquid und so absurd gut gemacht. Zeig das ma deiner Freundin :-D
9 von 10


Dailiv-„Annoying Fear EP“ (ABSDIG016)
Dailiv macht gerne darkes Zeug. Aber was er da jetzt auf Absys Digital abliefert ist echt brutal. Brutal dark und brutal gut. Der Titeltrack „Annoying Fear“ und vor allem „Strain“ sind Halfstep Apparate mit fantastisch angeordneten Percussion-Stabs und kloppen herrlich asozial auf die zwölf. „Cult“ is schwärzeste Nacht, „Boucan“ zum runterkommen. Echt vom Allerfeinsten. Ich feier den Sound.
8 von 10


Dillinja-„Acid Roller/End Of Line“ (DD03)
Flashback! Bekanntlich hat es sich Dom & Roland zur Aufgabe gemacht unreleaste Dubplates aus längst vergangenen Tagen aus dem Nebel der Geschichte zu holen. Insbesondere der Release von Dillinjas „Acid Roller“ ist dabei für mich bemerkenswert. Schlicht und einfach deshalb weil ich mit dem Track eine krasse Erinnerung verbinde. Vor sehr vielen Jahren spielte DJ Krust in einer fast leeren Dorfdisco in der Nähe von Heilbronn ein wahnsinniges Set, dass nur aus unveröffentlichten Knallern bestand. Damals gabs keine CDJs oder Controller. Ich stand direkt hinter ihm in der Booth als er angefangen hat und konnte so genau beobachten wie räudig dieser riesige Mann mit seinen noch viel riesigeren Händen diese riesige Anzahl von 10 Inch Acetaten behandelt hat. Er hatte eine Taschenlampe zwischen die Zähne geklemmt (um überhaupt zu sehen was für Granaten er zur Verfügung hat), holte er eine um die andere mächtig demolierte Dub raus und fuhr die Anlage maximal an. Ich hab tatsächlich mehrmals kurz das Gleichgewicht verloren, weil das mir so derartig ins Ohr gegangen ist. Unter anderem der „Acid Roller“ von Dillinja war pure Trommelfellpenetration. Ein Set mit solchem Material: „Nackenbrecherstyle“ . Legendär. Werde ich nie vergessen.
100 von 10

Dillinja
– End of Line / Acid Rollers – Dubs from the Dungeons DDD03


Noisia-„Outer Edges Remixes“ (VSN030)
Noisia setzt Standards. Nicht nur was Sounddesign angeht, sondern auch im Hinblick auf Mixdown, Mastering und was noch alles dazugehört. Und marketingmässig haben sie es auch faustdick hinter den Ohren. Das Album war krass gemacht, der Release hat trotz „Leaking“ (oder gerade deswegen? Achtung: Verschwörungstheoretiker) alle erreicht und die dazugehörigen Liveshows dürften allemal ihr Geld wert gewesen sein. So weit so gut. Mich hat das Album nicht so angesprochen. War irgendwie nich meins. Macht aber gar nix, weil diese Scheisse hier is so derartig grosses Kino, dass ich sogar darüber schreibe obwohl es eh alle toll finden werden lol. Der Dead Limit Remix ist einfach so derbe. Bei nem Hit dieser Grössenordnung nochma was draufzusetzen, das können nur ganz Wenige. Diplodocus Remix kommt ebenfalls halftimig rein, switched dann aber auch megafies. Keine weiteren Fragen, euer Ehren. Schuldig. Surfaceless Remix is kredibiler Avantgarde-Wonk. Auch witzig. Der Tommys Theme Remix zeigt was da noch so geht und zu guter letzt beweist der Voodoo Remix, daß die Noisia-Damen eh eigentlich alles können. Sky is the limit. Ihr könnt mich :-D.
Platz 1 beim Eurovision Rinse Contest


Spectrasoul & Alix Perez-„Synergy EP“ (1985ISHCHAT001)
Wer auf erwachsenen, verchillten, teilweise verrauchten und dennoch clubtauglichen Liquidfunk der allerobersten Qualität steht, der bekommt mit der Synergy EP das komplette Paket. Spectrasoul und Alix Perez machen gemeinsame Sache und sie machen sie sehr gut. Alles andere war auch undenkbar. Und wenn DRS anfängt sein zartes Stimmchen (auf „Undone“) ins Mikro zu hauchen ist Gänsehaut angesagt. Starker Release mit einer Menge Emotion und technisch einwandfrei gemacht!
7/10


Disphonia-„Code Red/Disintegrate“ (MLS001)
Das griechische Neuroprojekt Disphonia bringt mehr Material via Methlab auf den Markt. Schön. Warum? Weil es schlicht und ergreifend gute gemacht ist. Das Intro von „Code Red“ ist eine gute Mischung aus verschwurbelten Sci-Fi FX und sinnig-tragenden Athmos und führt den Hörer in eine paranoide Ego-Shooter-Perspektive. Der Tune ist jedoch nicht die Festival-Konfetti-Kanone, sondern eher was für die kleinen Clubabende mit entsprechendem Publikum. Aber gerade weil „Code Red“ nicht zu dicke Ärme macht, gefällt er mir so gut. Erwachsenen-Business. „Disintegrate“ ist eine swingende Feuerwalze und wird mit Sicherheit den einen oder anderen Dancefloor überrollen. Der Track kommt „korreckt“ mit feinen Reece-Edits und einem durchdachten Lead-Komplex. Der Mix sitzt sauber und braucht den Vergleich mit den Großen der Szene nicht zu scheuen. Stomp ya feet.
7 v0n 10


Reviews by Kaiza

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